Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 213)
- Language
- German
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144 Wovon so manche Stunde im Leben sie verträumt, Was oft mit düstren Wolken ihr Geisteslicht umsäumt; Was oft mit bangen Zweifeln die Denker schon erfüllt, Das, schwur er sterbend, werde dem Lebenden enthüllt. Zm vollen Licht des Mondes, das Herz so tief bewegt, Als lechzend glühenden Geistes, von Wissensdurst erregt, Durchwandelt er die Gräber, und bleibt an jenem stehn, Durch das er soll die Wahrheit, die ew'ge strahlen sehn. Geheimnißvott umrauschen Cypressen dieses Grab, Er neigt sich, Lebenssegen erstehend, still herab; Er näßt mit heißen Thränen den kalten Marmorstein, Der seine Asche decket, sein moderndes Gebein. Und unwiltkührlich, leise, beginnt er einen Sang, Der oft aus seines Freundes entzückter Seele drang, Ein Lied von heil'ger Liebe, von Andacht, fromm und wahr, Ein Echo seines Lebens, harmonisch, rein und klar. Ein Lied, aus dessen Weift der milde Trost getönt, Wie Liebe selbst den Tod noch verkläret und verschönt, Mit Edens duft'gem Schimmer daS finstre Grab erhellt, Und wie sie auch entriegelt daS Schloß der Geisterwelt. Da wecket heiße Sehnsucht ihm deS Gesanges Macht, Zur Pforte einzudringen der ewig stillen Nacht, Zu schau'n, was ihm verheißen der Freund zu seiner Zeit, DaS ewige Geheimniß von Tod und Ewigkeit.