Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1845-01-01 · 4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845) · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
4 Jahrgang = Jahr 5606 (1845)
Date
1845-01-01
Page
Seite 120 (sequence 189)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2609281-3184082--0990-3185100
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

120 Das hohe Lied. Von meinem Honig, meinem Seim genossen, Getrunken von meiner Milch und meinem Wein." Ihr Genossen, Ihr Freunde mein! *60 Trinket, berauscht euch, ihr Lieben Am Lieben!!" — Dies begeisterte Lied bedarf kaum einer Bemerkung; denn in höchster Lebendigkeit und Anschaulichkeit treten uns die Gestalten darin entgegen und so bietet das Jdyllion oder Bildchen, wie nach meiner Meinung das hohe Lied überhaupt, dem Maler den reichsten und glücklichsten Stoff zu den anmuthigsten Bildchen. Denken Sie sich hier nur z. B, das aus dem Schlummer durch die Stimme ihres Freundes geweckte, lauschende und selig ihm entgegenblickende Mädchen, und dazu ihn, bergab eilend, schnell und gewandt, wie ein junges Neh. Halb wendet er sich zu den Gefährtinnen mit der Beschwörung, die Geliebte nicht zu wecken. — Und dann, wie er verstohlen durchs Geländer hineinblickt und mit süßem Wort sie lockt. Dazwischen tönt der Nuf der im Weinberg beschäftigten Mädchen und Jünglinge die dem Weinberg schadenden Füchse zu greifen, in halb schalkhafter Beziehung auf den König, der auch von einem Weinberg naschen will. Vergleichen Sie nur im ersten Lied v. 35, wo sie ihre Schönheit einen Weinberg nennt und das Ende dieses Liedes, wo sie ein Garten heißt. — In holder Scham heißt sie, in eindringlichster Kürze ihm ihre Liebe versichernd, ihn bis zum Abend gehn. Und mit begeisterter Schilderung ihrer Schönheit geht er; bis zu des Abends Dunkel will er sie verlassen und so lang auf dem Myrrhengebirg und den Weihrauchhöhen umherschweifen. Und der Abend kommt, er kehrt wieder und lockt sie mit süßem Liebeslob, in zartester Wendung sich über ihr jungfräulich zurückhaltendes Wesen beklagend. Da gibt sie sich ihm hin und er, selig in dem genossenen Glück, ruft begeistert Allen zu, sich gleichen Genusses zu freuen. Doch ich Schwätzer! Ich wollte kein Wort über das Gedicht sagen und nun hat mich seine Schönheit doch fortgerissen. Verzeihen Sie mir, wie sie mir oft schon haben verzeihen müssen, wenn ich, versenkt in den Anblick Ihrer Schönheit, ein — weil sich von selbst verstehendes — überflüssiges Lob nicht habe unterdrücken können.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.