Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 216)
- Language
- German
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Glühende Kohlen. 1ö2 möge N aphtali einGestandniß zu machen, denn er fühle es, daß dies; seine letzte Stunde sei, und der Tod bereits die kalte Hand nach seinem Herzen ausgestreckt habe. Und begierig lauschten Alle nun auf Rodriguez, der klar und gedrängt die Geschichte seines Verbrechens erzählte, wie wir sie dem lieben Leser bereits mittheilten. Dieses Geständnis; machte auf Naphtali und die Uebrigen einen um so erschütterndern Eindruck, als der Erzähler in der Abschilderung seiner selbst ein gar zu wahrer Maler war. „Und nun" schloß Rodriguez, „nun begreift ihr cs wohl, warum ich Naphtalis Treue, die er mir so unerschütterlich bewies, glühende Kohlen nenne, von denen die Schrift redet, glühende Kohlen, die in mein Haupt brannten, bis zum innersten Kern meiner schuldbeschwerten Seele! und nun begreift ihres, wie die letzte Aufopferung Naphtalis für mich,— für m i ch den Verabscheuenswerthen, die Zahl der glühenden Kohlen voll machen muß!" Stumm und ergriffen standen alle um den immer schwächer« und schwächer gewordenen Bekenner seiner Sünden; bleich.aber wie ein Marmorbild, stand Naphtali da, von den verschiedensten Gefühlen durchstürmt.— Das also war die dunkle finstere Ahnung, die er jedoch stets unterdrückte, und nie in sich aufkommen ließ! — Noch einmal erhob Rodriguez sein brechendes Auge, das wie segnend und um Verzeihung flehend auf Naphtali fiel, und dann für immer erlosch. Die Gewalt der letzten aufregenden Momente hatte die schwachen Lebensüberreste in Rodriguez getödtet. Erschüttert trat Naphtali zu Rodriguez's Leiche hin, küßte die erschlaffte Hand. „Möge Gott, der allbarmherzige und gnädige, der nicht das Verderben des Sünders will, sondern daß er zurückkehre zur Tugend und bereue, Dir so verzeihen wie ich vom Herzen Dir vergebe," so sprechend drückte er dem tobten Gefährten die Augen zu. Das war der letzte Dienst, den Naphtali Rodri-