Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 3 Jahrgang = Schaltjahr 5605 (1844)
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 189)
- Language
- German
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134 Der Segeir der Arinuth. Rabbi Juda Hallevi ging nämlich in seinem 50. Lebensjahre mit der Idee um, nach dem Morgenlande zu reisen. Seine Gattin bestand jedoch darauf, daß die einzige Tochter vorher vermählt werden mochte, und drang so sehr in ihren Mann, daß dieser eines Abend einen heiligen Schwur that, seine Tochter dem ersten Israeliten, der sich ihm am folgenden Tage darbieten würde, als Gattin hinzugeben. Tages darauf trat ein Mann in ärmlichen Reisekteidern in die Wohnung ^des Rabbi Juda, um demselben, als einem in ganz Spanien berühmt gewesenen Gelehrten seine Verehrung zu zollen. Die Frau entsetzte sich bei dem Anblick des ärmlich gekleideten Jünglings, der, dem Schwure des Vaters zufolge, ihr Eidam werden sollte. R. Juda unterhielt sich mit dem Jüngling und merkte bald, daß er einen geistreichen und genialen jungen Mann vor sich hatte. Die Frau aber, die mit dem dürftigen Äußern des Reisenden sich nicht versöhnen konnte, weinte und bat ihren Mann, seinen Entschluß zu ändern. Dieser suchte sie zu beschwichtigen; der Jüngling ließ sich indes; unter die Jünger R. Jud a's aufnehmen und übertraf bald die Erwartungen des Meisters. An einem Abend verweilte R. Juda in seinem Studierzimmer ungewöhnlich lange, und kam sehr spät zum Abendessen. Der reisende Jüngling war, wie gewöhnlich, der Tischgenosse und fragte den im Nachdenken vertieften Wirth um die Ursache seines späten Erscheinens. Es sei eine nicht zur Vollendung gekommene Arbeit, die ihn so lange zurück hielt, war die Antwort. Indes; verließ die Frau den Tisch, ging in ihres Mannes Studierzimmer und kam bald mit dem Bruchstück eines hebräischen Gesanges zurück, dessen Beendigung dem Rabbi Juda durchaus nicht gelingen wollte. Ohne sich lange zu bedenken nahm der dürftig gekleidete Jüngling die Feder zur Hand, durchlief das begonnene Gedicht, verbesserte diesen und jenen Ausdruck und vollendete das Ganze zur ungemeinen Freude des Rabbi Juda, der es kaum gelesen hatte, als er seinen Gast umarmte und rief: ganz