Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 206)
- Language
- German
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216 Er war beraubt — er sah's — und mußte schweigen, Denn Zeugen fehlten ihm ja vor Gericht. — Was sollt' er thun? — Zurück — dem Volk sich zeigen? Hat s o erfüllt er seiner Sendung Pflicht? Könnt' er den Staub dem Wüthrich überreichen, Um dessen Herz zur Milde zu erweichen? — Doch bald geendet war sein schwankes Zagen, Und gläubig blickt er auf zur Himmelshoh': „Dein Wille, Herr, ist's! Warum sollt' ich klagen? „Bist Du eS doch, der mir da schuf seit je „Zum Quell des Heils der Leiden wilde Fluchen! „Ich zieh'voran!" „Auch dieses führt zum Guten!" Und ward ihm auch der eine Schatz genommen, Blieb ihm doch der, den er im Herzen trug; Das Gottvertrau'n, der Glaubens Hort der Frommen, Und eine Brust, die still und friedlich schlug. — Und furchtlos schritt nun vorwärts der Gefaßte, Bis nah' er kam dem fürstlichen Pallaste. Versammelt saß der Fürst mit seinen Rächen, Auf prachtumgeb'nem, golddurchwirktem Thron; Da sah gebeugt er Auchdies vor sich treten, Und rief entgegen ihm in bitterm Hohn: „Seht dort das lebende Symbol der Fasten! „Was will der Bote jener mir Verhaßten? Doch unerschrocken — wie er auch empfangen, Traf auch wie Donnerschlag der Gruß sein Ohr — Blieb Auchdies steh'n, und brachte ohne Bangen, Beredter Gluth der Seinen Bitte vor; Und als mit seiner Rede er zu Ende, Reich't er das Kästchen hin, als Volkesspende.