Mannheim
Compact Memory

Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1843-01-01 · 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843) · p. Seite 165

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
Date
1843-01-01
Page
Seite 165 (sequence 159)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2609281-3184078--0407-3184515
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gluck und Wissen. 165 Erdensöhne, deren Herz an Weib und Kind, Mutter und Schwester gebunden ist, ohne Zittern den Tag aufgehen, die Nacht anbrechen feiert!" Unter diesen herben, verzehrenden Gedanken war er wieder bei dem Hause seines Vaters angekommen, und lehnre sich mit verschränkten Armen und verbissenen Lippen an die Hausthüre. Nichts wäre ihm jetzt willkommener gewesen, als wenn auch ihn hier an der Schwelle feines Geburtsortes der schmerzstillende Tod erfaßt hätte. — Aber statt der gebietenden Stimme der Vernichtung drang Auferstehungsruf in sein Ohr. Ein schöner Tenor und eine liebliche Mädchenstimme sangen bald einzeln, bald im Chor ein Halleluja. Die Stimmen kamen aus einer Thüre desErdgeschoßes; doch glaubte Jsa k im ersten Augenblicke, sie kämen aus den Höhen als Antwort auf seine Zweifel und Klagen. Die düsteren Wolken um seine Seele wichen allmälig der himmlischen Einwirkung, und als die Tenorstimme im wohlbekannten hebräischen Texte mit dem Ausdrucke der Demuth sang: „Von Gott kam das, unfern Augen ist es wunderbar" — und darauf beide Stimmen jubelnd sich vereinigten: „Diesen Tag, der Herr gab ihn, laßt ihn uns freudig und heiter beginnen," — da hob Jsak tiefbewegt die Arme empor, und sprach mit zitternden Lippen: „Kannst du mir vergeben, Herr, ich habe dich vergessen in deiner Schöpfung!" — Der Gesang hatte mit jenen feierlichen Worten aufgehört, aber in Jsak's erlöster Seele klang er noch weiter fort. Mit den Blicken an den Sternen haftend, rief er empor : „Erhabenes Wesen, dein Antlitz ist uns unsichtbar, denn im knöchernen Ringe ist unser Auge gefaßt, und deine Werke werfen oft Schatten über unsere Seele. Nur der Glaube ist eine Feuersäule auf dunklen Wegen, wehe dem Erdensohne, dem sie erlischt. Ein schwaches Leuchtfeuer ist die menschliche Einsicht auf schwankem Thurme am klippenvollen Strande; dem Schiffer im Sturme zeigt es nur gräßlicher die Gefahren, ohne ihn aus den Wirbeln zu retten. — Bei dem Weberlichtchen des Denkens, das nur das Auge angreift,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.