Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 2. Jahrgang = Jahr 5604 (1843-1844) (1843)
- Date
- 1843-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 154)
- Language
- German
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160 Glück und Wilsen- Zehn Jahre verlebte nun J sa k in ungestörter Gcmüthsruhe und zusagenden Studien. Bei seinem regen Geiste und dem Unterrichte seines alten, gelehrten Freundes konnte es nicht fehlen, daß er große Fortschritte in allen Zweigen des menschlichen Wissens machte. Seine Studien umfaßten alle Erfahrungswissenschaften. Auch das Doktordiplom der Arzneikunde erwarb er; doch nur bei seltenen Fällen begleitete er seinen Lehrer in Privathäuser, sonst beschränkte er seine Praxis und Studien auf die Säle des allgemeinen Krankenhauses. Er fühlte sich überhaupt nicht behaglich im Umgänge det Weltleute und nur sein alter Freund schien ihm ein Mensch, mit dem man leben könne. Dieser riech ihm zwar oft sich an jüngere Männer anzuschließen , denn er sei schon ein alter Stamm, der wohl bald den Tribut der Natur zahlen müsse. Aber Jsak konnte es sich gar nicht denken, daß ein Wesen wie sein Freund dem Tode verfallen könne. Der Alte lächelte immer wehmüthig zu dieser Entgegnung Jsaks, doch ließ er ihn gewähren. Eines Nachts, als Jsak nach langem Wachen endlich eingeschlummert war, weckte ihn die Glocke über seinem Bette, die mit des Professors Studirstube in Verbindung stand. Es war dies für ihn nichts ungewöhnliches; der Professor pflegte ihn auf diese Weise zu rufen, wenn er ihm eine Entdeckung mittheilen, oder schlaflose Stunden mit ihm im Gespräche hinbringen wollte. Jsak fuhr daher in den Schlafrock und eilte hinüber. Aber was er heute erfahren sollte, glich nicht im geringsten jenen schönen Stunden der Belehrung und traulichen Gedankentausches. Er fand seinen Freund, den erhabenen Mann, den einzigen Menschen, an den sein Herz gebunden, gebrochenen Auges und den Tod im Angesichte in seinem großen Sessel hingestreckt. „Freund," sagte er mit schwacher Stimme, — „ich sehedich nicht mehr, lege die Hand auf mein Herz, daß ich dich fühle." Jsak war nahe daran ohnmächtig neben ihm hinzusinken, und nur die Bitte des Sterbenden mit ihm zu sprechen gab