Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 185)
- Language
- German
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150 Ende doch einen Sohn geschenkt bekommen habe; sie ermahnte ihn den Muth nicht sinken zu lassen, der Himmel könne auch sie dereinst noch begnaden. Das leuchtete ihm ein. Er schöpfte milden Trost aus dieser sanften Rede und sein Herz belebte sich mit neuer Hoffnung; nicht lange aber sollt er solch froher Erwartung sich hingeben dürfen; kam er nur erst wieder zu seiner Mutter hinüber, so erlosch sicher auch der leiseste Strahl der Hoffnung. Ich sag' Dir Nein und noch einmal Nein! — so war die Rede der Mutter — sie ist eine Unftuchtbare, sie wird kein Kind haben. Gott hat ihren Leib nicht „gebenscht" (gebenedeyt), und davon ist-der Grund nur zu klar. Durch unsere großen Sünden! sie trägt doch frech genug ihr eigenes Haar! Die fanatische Frau wußte ihren Sohn sehr wohl zu überzeugen , daß er alle Hoffnung auf Nachkommen fahren lassen müsse, so lange sein Weib das eigene Haar nicht ablegt. Mit vielen Erzählungen von dem himmlischen Strafgerichte wußte sie zwischen dem eigenen Haare und der Unfruchtbarkeit seines Weibes einen so festen Zusammenhang aufzufinden, daß Iossef in seiner Rathlosigkeit sich als den unglücklichsten Menschen der Welt betrachtete. Merkwürdig erschien ihm nur ein Umstand, der nämlich, daß die Mutter, die bisher, gleich ihm der Geburt eines Kindes sehnsüchtig entgegen gesehen, nun ganz ändere Saiten anschlage und sich über die Nichterfüllung