Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 180)
- Language
- German
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145 ter, die sich durch nichts erweichen lasse, entschieden genüg entgegenzutreten. , Klage nicht deine Mutter und nicht deinen Bruder an — gab ihr Rosa zur Antwort; siehe da, was Schiller sagt: „Nur zwei Tugenden gibts, wärm sie immer vereinigt, Immer die Güte^ auch groß, immer die Größe auch gut/ Güte und Größe sind selten im Verein miteinander. Deine Mutter ist streng genommen nicht gut; sie mag, gut sich erweisen gegen diejenigen, die ihr zu Willen sind, ja! dieß ist aber nicht die reine Güte, die Güte um ihrer selbst willen; aber deine Mutter hat etwas von dem, was man Größe nennt, sie ist ein Charakter; gewiß es liegt etwas Großes in der Zähigkeit ihres Hasses, in der,Hartnäckigkeit ihrer Verfolgung, in dem Nichtaufgeben des einmal Ergriffenen. Das muß ich selbst gestehen, obwohl ich es bin, gegen welche dieser Haß, diese Verfolgungswuth gerichtet ist. Dein Bruder ist gut, er ist ein Mensch von lauterem Herzen, er ist der beste Mensch in der Welt, er kann keine Fliege beleidigen und doch beleidigt er mich, weil ihm die Größe fehlt. Er ist eine schwache Natur. Bei solchen Naturen kommt es auf den Einfluß an, den sie erfahren, auf die Umgebung, in der sie sich befinden. Was ich auf der einen Seite gewinne, geht mir so auf der andern Seite wieder verloren; . durch dieses Hin- und Hergeschohenwerden kömmt er in Verwirrung, er weiß nicht, auf welcher Seite, das eigentliche Recht ist. Nicht attklagen kann ich ihn, aber Mtleid, tiefes Mitleid Hab' ich mit ihm, denn weiß Gott! er ist mehr zu bedauern als ich. 10