Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 178)
- Language
- German
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143 — verkünden. Die schönen Lehren der Tugend und Sittlichkeitdie hier vernommen wurden, sie waren auch ihre Lehren, sie hatten sie auch in ihren alten Propheten studirt und sie hatten sie selbst, wenn auch in anderer Form, einer großen bewegten und lauschenden Menge oftmals selbst verkündigt. Gewöhnlich waren es die Nachmittage, die von den beiden Schwägerinnen zu solchen geistigen Erhebungen verwendet wurden. Die gemeinsame Lektüre der Schiller'schen Werke übte auf jede der beiden Freundinnen eine andere Wirkung. Dieß wäre schon des ungleichen Alters wegen auch dann der Fall gewesen, wenn Rosa ihren Schiller auch nicht auswendig gewußt hätte. Für Rosa war diese Lektüre eine angenehme Erinnerung an ihre selig verlebte, Jugendzeit; auf Blümele hingegen machte jedes, einzelne Wort den vollen Eindruck der Neuheit. Rosa welche von d?m Gang der Handlung in den Schiller'schen Trauerspielen und Balladen nicht mehr überrascht wurde, erfreute sich an der begeisterten und gehobenen Sprache, so wie der den einzelnen Charakteren in den Mund gelegten Gedanken und Aussprüche; das Kind hingegen folgte mit ängstlicher Spannung, mit wildklopfendem Herzen dem Laus der dargestellten Begebenheit. Sie, zitterte für das Leben der unglücklichen Maria Stuart und haßte die stolze Elisabeth mit dem ganzen Ingrimm, dessen sie fähig war; sie begeisterte sich für die heldenmüthige Jungfrau von Orleans, sie konnte derselben jedoch ihren Fall nicht verzeihen. Johanna hätte sich selbst nicht untreu werden sollen — meinte Blümele in der Unschuld und