Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 166)
- Language
- German
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131 Was fallt dir ein, mein Kind? — sagte er: — Du mußt auch nicht gleich hinter jedem unschuldigen Gegenstand einen boshaften und heimtückischen -Hinterhalt vermuthen. Weißt du nicht, daß Morgen Neumond ist? Hier bei uns, in unserer Gemeinde, ist der Brauch, daß der Gemeindediener jedesmals einen Tyg vor Neumond mit einem Korb voll „Mappes" durch die Gasse geht und sie d en Weibern zum Zuwickeln übergibt. Was sind denn aber „Mappes?" — fragte die junge Frau. Das weißt du nicht — sagte Jossef — diese Bänder da heißt man Mappes, und diese thut man dann in . der Schul' um die heilige Thora Herumwickeln. Aber warum bringt er diese „Mappes" den Weibern? Weil er Geld verdienen will, Narrele! jedes Weib gibt ihm ttwaS dafür. So — sagte Rosa — nun sieh, mach' ich's recht so? Hiebei fing sie an eine der Mappes aufzurollen, so wie man ungefähr ein Band auf einer hölzernen Rolle aufwickelt. Ganz fein machst du es — sagte Jossef und entfernte sich mit freudigem Lächeln im Vorhinein schon den Triumph genießend, den er seiner Frau in aller Stille bereitet hatte. Nicht lange hernach kam der Gemeindediener wieder und nahm die wohl zusammengewickelten „Mappes" nebst einem ansehnlichen Geschenke von dem jungen Weibchen in Empfang. Jossef stand schon erwartungsvoll in der Stube seiner Mutter: als der Gemeindediener bei ihr eintrat. 9*