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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1868-01-01 · Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868) · p. Seite 94

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 94 (sequence 129)
Language
German
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94 stubc; ein Jeder suchte sein Nest auf, um sich im Schlafe frische Kraft für den morgigen Tag zu holen. Es war Ein Uhr nach Mitternacht, und stille ward es auch auf der „Gasse." Alles lag im tiefen Schlafe, man merkte nichts davon, daß eine Stunde früher noch die ganze „ Gasse" in lebendigster Aufregung sich befunden habe. Es mag zwar Mancher geträumt haben, und es ist nicht gewiß, ob die „Ständelnacht" auch die Kraft habe, alle bösen Träume zu bannen. Vielleicht träumte die Mutter des Bräutigams von den goldenen Haaren ihrer zukünftigen Schwiegertochter. Doch so viel ist gewiß, daß ein derartig beunruhigender Traum seine Bilder nicht hin- und hergaukelt von Bette zu Bette und von Haus zu Haus. Mag Frau Kreßel immerhin auch unruhig geträumt haben, die „Gasse" wußte nichts davon. Desto mehr aber beschäftigte sich die „Gasse" am folgenden Tage mit den Träumen der Frau Kreßel; denn für einen leeren Traum hielt sie, was diese Frau an diesem Tage wachend erklärte. Die Aufregung war über alle Maßen. Früh Morgens richtete man in der Hochzeitsstube den Deckstuhl her — den reich gepolsterten und bunt verbrämten Thronsessel für die bräutliche Jungfrau, auf welchem man ihr Haupt mit dem güldenen Bedecktuche schmückt, wie mit der Krone das eines Königs. Die Frauen stellten sich zeitig genug ein, um kein Tänzlein zu versäumen, denn am Hochzeitsmorgen tanzen die Frauen mit der Braut; es sind keine wilden Sprünge, vielmehr sittigbeschauliche Schritte, die da gemacht werden, man führt die Braut so vorbereitend in den Ehestand hinein; die Mu-

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