Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 121)
- Language
- German
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86 der Sohn zeigte sich Kreßel, die Mutter des Bräutigams. Sie fühlte sich glücklich, daß sie den Tag erleben soll, auf den sie so lange gewartet und gehofft und faßte in Bezug auf die Schwiegertochter die besten Vorsätze. Meine „Schnur" — sagte sie — soll gar nicht spüren, daß sie nicht mehr daheim ist bei ihrem Vater. So wie die Hochzeit einmal vorbei sein wird, und sie da herein zieht zu mir in mein Haus, will ich sie halten, wie mein eignes Kind, wie mein Blümele, das ich unter meinem Herzen getragen! — So drückte sie ihre Freude aus, ob sie aber im Stillen nicht darüber beunruhigt war, daß ihre zukünftige Schnur aus einem Orte komme, in welchem die neue Mode, die sogenannte „Aufklärerei" bereits angefangen habe Wurzel zu fassen, möchte nicht schwer zu entscheiden sein, wenn man bedenkt, daß Kreßel von jeher ein sehr frommes Weib gewesen und nicht um die Breite eines Haares von den Gesetzen abwich, die ihr durch Erziehung und langjährige Uebung als ein unantastbares Heiligthum galten. So war denn auch ihre Freude nicht ganz frei von einiger Besorgnis Blümele aber, das zwölfjährige Mädchen, dachte an alle diese Dinge nicht, worüber sich erwachsene Leute den Kopf zerbrechen; sie freute sich aus vollem Herzensgründe, ihre Freude war eine reine, ungetrübte. Schon als ihr Bruder kurz nach der Verlobung zur Braut gefahren war, um dieser das Bräutigamsgeschenk, eine große güldene Kette, ein Gehänge von Perlen, bestehend aus sechs Schnüren mit einem Diamant-Verschluß, diamantene Ohrgehänge und dito Ringe zu überbringen, da hatte Blümele ihn begleitet und wurde von der lieben