Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 110)
- Language
- German
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75 Behaglich säßen wir, beschäftigt mit der Nadel, Am Rahmen die, und die am Spinnenrade, Und wenn in Heller Nacht der Mond so traulich scheint, Zum Austausch der Empfindungen vereint, Am Feuer des Kammes, oder auch im Dunkeln Und mitgetheilt, was Ms die Leute munkeln Von Neuigkeiten in der Stadt und von Skandälen, Von Moden, und was zur Saison zu wählen. Ich wär' bei der Gewöhnlichkeit nicht steh'n geblieben; Ich hätt' fein weiß genäht und Stickerei getrieben; In Sammt und Seid' die Blumen auf der Flur So lebhaft dargestellt, als wären sie Natur. Und sonstige Dessins, wie sie Modelle geben, So farbenfrisch, als ob sie leibhaft leben, Die Kelche, Bäume, Blüthen, Pflanzentöpfe, Und Burgen, Säulen, Tempel, Engelsköpfe, Und was man sonst vollendet mit der Nadel Wenn man sie mit Geschick nur führt und ohne Tadel. Doch manchmal hält' ich auch, obgleich es nicht so edel, Mich auch herbeigelassen zu dem Aschenbrödel; Denn das ist auch ein wichtig Amt der Frauen Daß sie mit Wachsamkeit in ihre Küche schauen. Mich hätt' der Staub, die Asche auf dem Heerd, Der schwarze Ruß an Topf und Ofen nicht gestört; Ich hätte keinerlei Bedenken je getragen, Mit Axt und Beil das Holz mir klein zu schlagen, Und in die matte Kohle tüchtig einzublasen, Ueber den Ausdruck für Kunststickerei, vgl. Berachoth. 63.