Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 94)
- Language
- German
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59 ein sehr Wichtiges Moment vergessen. Man hatte die Juden Jahrhunderte lang dazu gezwungen, einzig und allein Handel zu treiben und mit Einem Make verlangte man, daß die Juden Ackerbauer werden sollen. Kann man von einem Birnbaum verlangen, daß er plötzlich Aepsel bringe? Ebenso machte man es in frühem Zeiten den Juden zum Vorwurfe, daß sie keine Handwerke treiben wollen. . Wir wissen , daß jetzt in Wien allein 4 — 500 jüdische Handwerkslehrlinge sind. Wie oft soll man noch gewissen Herren die Fabel von dem in seinen Mantel gehüllten Wanderer und seinem Kampfe gegen Sturm und Sonne erzählen? Um diese Verrenkungen und Windverdrehungen am Baume des Judenthums zu heilen, gibt es nur Ein Mittel, — das ist die volle Freiheit. Bezüglich der Aufhebung der Toleranzsteuer ist die Hofkanzlei nicht der Ansicht des Grafen Brigido: „Die vollkommenste Gleichstellung der Juden mit den Christen, ruft sie emphatisch aus, wäre im Grunde die unbilligste Ungleichheit." Ueber diesen Satz können wir heute ruhig hinweggehen. Die vollkommenste Gleichstellung der Juden mit den-Christen ist heute ein Axiom der gesammten civilisirten Welt geworden und nur manches feudale und klerikale Journal pflegt noch einen Stoßseufzer über die vollkommenste Gleichberechtigung auszusprechen. Wir wollen übrigens bemerken, daß der Antrag, die Judensteuern, welche im Grunde Religionssteuern waren, wiederholentlich auch nachher gestellt wurde. Auch der Hofkanzlei fing es in späterer Zeit an einzuleuchten, daß die Einhebung dieser Steuern eine Ungerechtigkeit sei,