Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - dritter Jahrgang 5628 (1867-1868) (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 42)
- Language
- German
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denleeren, aber angstgefahr- und kummervollen Dasein bot — außer diesem bieten sie uns auch durch ihre Gedankenfülle und Tiefe, sowie durch ihre Einfachheit und Schmucklosigkeit in der sprachlichen Gewandung reichliche Entschädigung; ja sie sind am besten geeignet, unser Urtheil zu klären und unfern Geschmack umzubilden. Wir dürfen es uns nicht verhehlen, wenn auch die Predigt in unserer Zeit in ihr uraltes Recht: wesentlicher Bestandtheil des synagogalen Gottesdienstes zu sein, beinahe wieder vollständig eingesetzt wurde, und es heutigen Tages unfern nur halbwegs gebildeten Gemeinden an Lehrern des Gotteswortes nicht fehlt: so fehlt es aber diesen sehr oft an Hörern, die das Einfache und Ungekünstelte lieben, die ein praktisches Wohnhaus einem babilonischen Thurme vorziehen, den man höchstens verdutzt anstarren und angaffen, aber nicht benützen kann. In vielen Köpfen spuckt noch der Ungeist nicht der guten, an gesunden Gedanken, richtigen Weltanschauungen und Wissensstoff reichhaltigen, sondern der entarteten, Sinn und Bibelvers verdrehenden Derascha, mit dem man auch die Predigt messen und beurtheilen will. Freilich die besten Mittel gegen diese wild gewachsene Aesthetik sind gute, Geist und Gemüth bildende Schulen und — lebendige Muster; aber auch das Lese« solcher Muster, zumal, wenn sie die Autorität des Alterthums an sich tragen, können sehr viel beitragen, das Urtheil zu berichtigen und den Geschmack zu bilden. Die meisten Reden des Tanchuma zeichnen sich durch einen solchen schlichten, einfachen und gesunden Sinn und Gedankengang aus. Selbst in der Benützung der als