Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge - zweiter Jahrgang 5627 (1866-1867) (1867)
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 287)
- Language
- German
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183 ermannen. Er sah nicht nur den Knaben, er hatte ihn auch erkannt; er wußte, daß das „Kleinmichele" war, der Hirsch Elsäßer und dessen Ehefrau Hanne gehörte; darüber hinaus gelangte er jedoch nicht. Draußen wehte die Lust so heiß, und die Lettern des altersgrauen Talmud, der vor ihm ausgebreitet lag, blickten so grämlich verdrießlich, nur die — Kätzchen spielten im Schatten der Synagogenmauer so wonniglich unter der Obhut ihres Oheims — Ein Lächeln zog sich wieder um seine Mundwinkel, zog sich immer weiter, immer weiter, bis es in den weißen Haaren seines Barles, von wo es nicht weiter konnte, haften blieb. Er war wieder eingeschlummert. Mittlerweile wollen wir in flüsternd gehaltenem Tone berichten, welches Bewandtniß „Kleinmichele" mit dieser wahrhaftigen Geschichte von Hund und Katze hat. Sie leben wie Hund und Katze! Wenn man in der Gasse diesen Ausspruch that, so galt er gewiß einem der Vorgänge, wie sie fast allstündlich zwischen Hirsch Elsaß und seiner Ehegattin Hanne vorkamen. Dort in jenem Hause gab es nichts als Zank undUnfrieden; die Zungen wurden nicht müde davon zu erzählen. Oft hatte es der Großvater versucht, milde und strenge, wie es in seiner Natur lag, vermittelnd einzuschreiten; er vermochte nicht jenett störifchen Geist zu bannen, von dem die beiden Eheleute recht, als hätte er sie zu seinem Spielzeuge ausersehen, herumgewirbelt wurden. Wollte er auf den Grund dieser anhaltenden Zwistigkeiten kommen, so hörte er Einzelnh eiten bald von dieser, bald von jener Seite. Jedes war in seinem Rechte, und doch branttte lichterloh das Unrecht auf beider Seelen. Von diesem verbitterten Ehepaare pflegte der Großvater zu sagen: