Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 296)
- Language
- German
- Belongs to
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L26 Ihnen nicht viel nützen, wenn Sie die Sache nicht thätiger abzuwehren suchen." „Meine ganze Thätigkeit ist machtlos; denn soll ich mich vom Verdachte der Vergiftung reinigen; aber an diesen glaubt wahrlich kein Mensch, wenn er nicht bloß als Mittel zu einem andern Zwecke ergriffen wäre. Meine Hoffnung beruhet einzig und allein, auf den Grafen, der mich von lange her kennt." „Zum Glücke für Euch" — sagte ich— „ist der Graf hier anwesend, ein durch echte Humanität ausgezeichneter Mann, der es schon öfter bewiesen hat, daß er vor dem Gesetze kein Ansehen der Person kennt und wäre es selbst sein eigener Tischler. Ich muß nur darauf bedacht sein, daß ihm eine geeignete Person das Stückchen feines. Tischlers hinterbringt -- denn ich habe meine Gründe mich neutral bei der Sache zu verhalten — und auch dafür ist schon Rath geschafft worden." „Was gibts nun meine schönen Fräulein! Warum so in Thronen gebadet?" sagte ich zu zwei schönen Mädchen des Hauses gewendet, die über einer Handarbeit gebückt, am Fenster faßen, und dichte Thränen auf dieselbe fallen ließen. „Wie, wollen Sie" antwortete Marie, die ältere, „daß wir es mit Gleichmuth ertragen sollen, wenn wir einmal von ehrlichen Leuten, als welche wir bisher allgemein galten, über Nacht, als eine Familie von Mördern behandelt werden?" Aber so viel Wahrheit in dieser Begründung liegen mochte, war doch nicht die ganze Wahrheit enthalten, denn dahinter schien mir noch eine Herzensangelegenheit zu stecken, welche durch dieses Ereigniß noch länger hinausgeschoben zu werden drohte.