Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 290)
- Language
- German
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220 Plötzlich ward meine Aufmerksamkeit abgelenkt. Denn es liegt schon in dem Berufe des Arztes , nie mit Sicherheit eine Freude ungestört, ein Vergnügen unbehelligt auszugenießen. So war es auch heute. Mein Macar überbrachte mir zwei Einladungen. 1. Eine vom Kreisgerichte Z. mit dem Aufträge zu einer Obduction. 2. Vom Prior des Klosters M. — Ich traf also Anstalt auch heute dem Genüße zu entsagen und meiner Pflicht nachzugehen. Macar ließ ich mit den Medikamenten auf dem Verbandplatz zurück, als wieder Jemand meine Hilfe in Anspruch nahm. „Es war kein geringerer als Lord 3E.; er stellte mir die linke Hand vor, die mit einem blutigen weißen Tuche verbunden war. Es ist recht artig von Ihnen Lord," sagte ich, „daß Sie mich vom unnützen Ballaste in etwas befreien wollen" — „Ja ich hatte Eile mich am Schloße meiner verdammten Flinte zu verwunden, um Ihnen Gelegenheit zu verschaffen, Ihre Medikamente an den Mann zu bringen." Er bot mir die entblößte Hand, es war eine frische Hiebwunde, welche den linken Daumen beinahe spaltete, und an welcher die Jagdflinte offenbar unschuldig war. Ich besorgte den Verband und ließ den Arm in einer Schlinge tragen. Ich schwang mich darauf aufs Pferd, und ritt in der Morgensrische durch ein einsames Gehölz dem Städtchen .zu. Da ich eine gute Weile rasch im Gedanken fortgeritten war, so wurde ich bald durch die Ermüdung meines Pferdes gezwungen einen ruhigern Schritt zu halten. Die Einsamkeit, die Stille des Waldes, die frische balsamische Morgenluft, der Helle frohe Gesang der Vögel, verfehlten nicht, mich in eine angenehme Stimmung zu versetzen. Hat doch die gütige Natur, dachte ich, welche mit so freigebiger Hand ihre Gaben ausstreut, offenbar alle Menschen mit gleicher Berechtigung zum Genüsse derselben