Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 288)
- Language
- German
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gen Touristen, der höhern französischen Gesellschaft angehörend, ein Rendezvous auf seinen Gütern. Das herrschaftliche Schloß im grandiosen Style erbauet, mit allem europäischen Komfort und Luxus ausgestattet, lag auf dem Rücken einer breiten Hochebene, von wo aus der Blick eine weite Fernsicht in das davorliegende Thal genoß. Rechts erblickte man den Dnieper, der hier eine respektable Breite hat und nur bedacht das schwarze Meer zu erreichen, seine Wellen unermüdlich sortrollend. Nach vorne eine weite auf mehrere Meilen sich erstreckende Thalebene, mit den schönsten Winter- und Sommergetreiden bedeckt, in der Mitte von einem Entwässerungskanal durchschnitten, der seine Wässer in den Dnieper ergießt. Von allen Seiten erblickte man mehrere Städtchen und Dörfer aus Gebüsch und Wald hervorgucken, zu den weitläufigen Besitzungen des Grafen gehörend. Nach links und rückwärts mehrere Neben- und Wirtschaftsgebäude^ welche dem Ganzen ein belebtes und lachendes Ansehen verliehen. Der Graf bestimmte für heute in einem etwa 5 Werst entlegenen Gehölze eine Treib-Jagd abzuhalten, wo man Hasen, Füchse und Wölfe mitunter auch Schwarzwild anzutreffen hoffen durste. Ich hielt auf der Anhöhe, bis die Herrschaften und der lange Troß von Dienern nnd Zofen vorüberzog und war im Begriffe ihm ebenfalls zu folgen, als sich eine feine männliche Stimme hören ließ, die das deutsche Liedchen: „Sah ein Knab' ein Röslein stehen", trällerte, und bald kam hinter einem Bergvorfprung der Sänger, der junge Lord T., von seinem Reitknechte gefolgt, von der Gesellschaft zurück. „Guten Morgen, Doktor! Was stehen Sie da wie eine verlorne Schildwache!"