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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1866-01-01 · Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866) · p. Seite 74

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 74 (sequence 144)
Language
German
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IRI
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74 Man gestattete den Juden die Wiederkehr, weil man ihrer bedurfte; die Gesinnungen gegen dieselben blieben jedoch in den bürgerlichen, klerikalen und Hofkreisen gleich und von Zeit zu Zeit erwachte das Gelüste die Juden wieder auszutreiben. Im Dezember 1705 erinnern der Magistrat und die niederösterreichische Negierung den Kaiser die Juden auszutreiben. Die Hofkanzlei meinte jedoch, daß die Motive, welche die Vertreibung der Juden erwirkt zu haben. Nach einer unparteiischen Prüfung der Quellen müssen wir jedoch unsere früher geäußerte Meinung aufrecht halten, daß die Ausweisung nicht ausschließlich in Folge klerikaler Einflüsse erfolgte. — Würde uns nicht die Wahrheit allein bei unfern Forschungen leiten, so wäre das Thema allerdings ein intereffantes gewesen. Wir hätten Gelegenheit gehabt über Religionsverfolgungen zu sprechen und wären des Beifalls der Liberalen hüben und drüben sicher gewesen. Die Dokumente jedoch, auf die wir uns bezogen, oder die wir mittheilten, ergaben für uns das Resultat, daß nicht vorwiegend klerikale Einflüsse rhätig waren. Wir muffen diese Dokumente als um so glaubwürdigere Zeugen betrachten, da doch kein Grund vorlag, daß deren Verfasser mit ihren Ansichten hinter dem Berge hätten halten sollen und sie auch keine Ahnung davon hatten, daß einst ein Jude dieselben zu Gesicht bekommen werde. Sie sind daher im vollen Sinne unbefangen, messichim leli tumoiD. Die Bittschrift des Rabbinates erfolgte in Folge der Gerüchte, die man vernommen hatte, die jedoch unserer Meinung nach nicht begründet waren; obschon wir nicht glauben, daß etwa die Kaiserin oder der Bischof Collomtsch für die Juden Parthei genommen haben und ihre judenfeindliche Gesinnung notorisch ist. Aber sie war nicht die allein maßgebende. — Wer aktenmäßig die Geschichte des Concordates z. B. schreiben wird, wird auch in der Lage sein, manche allgemein verbreitete Gerüchte über Personen und Sachen zu dementiren.

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