Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 140)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-3183017--6151-3183172- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 11. Berlin, 27. Dezember 1834. Da ich noch immer von einem kleinen Schnupfensieber, das ich mir durch eine nächtliche Rückkunft von Potsdam zugezogen, gehindert werde, Ihnen verehrter, vieljähriger Freund! den Ausdruck meines tiefen schmerzhaftesten Mitgefühls persönlich darzubringen, so will ich nun, jene Hoffnung für heute aufgebend, nicht länger anstehen, in meinem und meines Bruders Namen, diese Zeilen an Sie zu richten. In den frühesten, dankbarsten Erinnerungen meiner Jugend dämmert Ihres edlen geistreichen Vaters angenehme Persönlichkeit bei mir auf. Sein Wohlwollen, dessen ich befand ets in reichem Maße genoß, erhöhet die Freude dieser Erinnerung. Der Verewigte gehörte zu denen, die wohlthätig auf meine Bildung, auf die Richtung meiner Ideen und Gefühle gewirkt haben. Er war mit Engel der Freund unseres Hauses. Kenntniß des Alterthums, Liebe zur spekulativen Philosophie, ein feines und sicheres Gefühl für poetische Schönheit, Fähigkeit durch die hohe Bildsamkeit unserer vaterländischen Sprache das schwierigste Problem der Uebertragungen aus dem heiligen Orient kraftvoll zu lösen, — alle diese Gaben der Intelligenz waren in ihm mit den freiesten Ansichten über die Weltbegebenheiten, die wir mit ihm verlebt, mit der wärmsten und edelsten Anhänglichkeit an seinen unterdrückten Volksstamm gepaart. Er hat ein langes, schönes, genußreiches Leben vollbracht in dem Kreise einer Familie, die seinen geistigen Werth zu schätzen wußte, weil sie durch ihn und gleichartig gebildet war. Empfangen Sie in diesem feierlichen Augenblick mit