Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 132)
- Language
- German
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Jahrhunderts, die ihnen offenbar an Poesie nachstehen, haben einen größeren Gehalt für die Empfindung. In den neueren ist etwas mehr, aber auch nur wenig. Die spanische Nation hat gewiß außerordentliche Anlagen, einen äußerst geraden und gesunden Verstand. Sie glauben nicht, wie bestimmt und klar auch der gemeine Spanier sich ausdrückt, und wie gut er seine Sprache kennt und wie rein er sie spricht. Es gibt, das einzige Gallizien ausgenommen, gar kein Patois in Spanien — und außerdem eine natürliche Anlage zum Witz, die jedem Fremden auffallend sein muß, weil man sich die Spanier gewöhnlich so gravitätisch und ernst denkt. Was aber Spanien, auch wenn man vollkommene Freiheit gäbe, immer sehr schaden würde, ist seine geographische Lage, durch die es vom ganzen übrigen Europa getrennt, nur mit Frankreich verbunden ist. Der Nachtheil des einseitigen Einflusses der französischen Literatur ist überall offenbar. Zwischen Franzosen und Spaniern kann keine aufrichtige, auf Gefühl und Gleichheit gegründete Gemeinschaft sein. Die Franzosen müssen die Spanier, die sich nicht selbst französirt haben, verachten und thun es redlich. Auch scheinen wirklich alle, die ich in Spanien gesehen habe, da zu sein, um immer zu wiederholen: all! le mauvais pays que TEspagne! In der Art, wie die Franzosen, können die Spanier nie glänzen, in dieser müssen sie ihnen ewig nachstehen. Und übrigens ist die französische Kultur fast, wie ihre Revolution, blos niederreißend; wo sie selbst in der Philosophie aufbauen wollen, gelingt es nur wenig. Sollte Spanien Fortschritte machen, so wäre es durch gründlichere Gelehrsamkeit, durch freies, aber gründliches Nachdenken, und nur dadurch müßte ein Vornrtheil nach dem anderen zerstört, nicht aber alle