Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Zweite Folge, erster Jahrgang 5626 (1865-1866) (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite XXIV (sequence 50)
- Language
- German
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XXIV wir jedoch stets bedacht sein wollen, so lange es thnnlich sein wird von Oesterreich unfern Ausgang zu nehmen. Es ist hier weder das subjektive heimatliche Gefühl, das uns hiezu bestimmt, noch die Rücksicht auf die Annualschriften, welche ohnehin mit gleichen Tendenzen in anderen Ländern, wo Glaubensgenossen weilen, erscheinen, als vielmehr die objektive Wahrnehmung, daß das reichste und interessanteste Materiale für jüdische Geschichte sich gegenwärtig in Oesterreich darbietet. Es war eine traurige Zeit, als man daS Abschließungssystem, wie es vormals in Oesterreich aufrecht erhalten wurde, als „chinesische Mauer" bezeichnete. Heutzutage ist Oesterreich, Gott sei Dank, das europäische China in einem edlern und bessern Sinne — es ist nämlich in jeder Beziehung — das Reich der Mitte und dies vorzüglich im Sinne der Versöhnung und Vermittlung verschiedener Gegensätze, im Sinne der Ergriffenheit von allen Elementen, welche als die Faktoren der Geschichte erscheinen. Wie es geografisch zwischen dem Osten und Westen einerseits, zwischen dem Norden und Süden anderseits gelegen ist; so hält es auch in Rücksicht auf Zivilisativnsstufe und Kulturbewegung die richtige Mitte. Hier läßt, sich.noch so mancher Kampf beobachten, der im Westen schon ausgetragen ist, und im Osten noch gar nicht begonnen hat. Wenn dort auf der einen Seite schon, auf der anderen Seite noch nichts zu erringen ist, wenn dort die Kräfte ruhen, weil sie deö Streites los, und da, weil sie zu ohnmächtig sind, so fesselt Oesterreich allein noch das Interesse, wo die Geister weder von der allzufrühen Morgenstunde noch von