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Blau-Weiss-Blätter · 1918-04-01 · 6 (4.1918) · page 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
5 (1917-1918)
Issue
6 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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München. In letzter Zeit war bei uns viel los. wir hatten einen Eltern, abend, an dem zirka \oo Leute teilnahmen. Den Erfolg sehen wir hauptsächlich darin, daß die Eltern dem Blau-Weiß viel mehr, als es früher der Fall war, zugetan sind und ihre Rinder regelmäßig wandern lassen. Auch haben wir ein Stadt- Heim, dem zu Liebe wir ja leider das Landheim aufgeben mußten (natürlich wegen der lumpigen 30 Mark). Das Stadlheim besteht aus 2 geräumigen Zimmern und liegt direkt an den Isaranlagen. Im Februar hielt Jakob Reich für alle Blau.weißen einen Palästina-Lichtbildervortrag. wir hatten auch Besuch: Walter Salomon und Sidney Haskel waren auf einige Tage hier. Leider ist es nun Wirklichkeit geworden: unser Führerschaftsleiter Eli Steinberg ist fort von München. Er ist Bauer auf einen: Gut. Ich glaube in seinem Sinn zu handeln, wenn ich ihm an dieser Stelle keine große Dankesrede schwinge. Seine Adresse ist: Gut Antonienhof bei Oranienburg b./Berlin. Die Führerschafts- Leitung hat M. Feuchtwanger übernommen. Medi Feuchtwanger Posen. Zu Purim veranstalteten wir eine schöne Feier im Heim, zu der wir die Eltern eingeladen hatten. In einer launigen Ansprache wurde besonders auf unsere materielle Not hingewiesen, und der Appell war nicht vergebens. Dann kamen die Kleinen und Kleinsten an die Reihe, die auf unfern Blau-Weiß bezügliche Scherzgedichte und -gesange vortrugen. Zu unserer Freude erschien in später Stunde noch Mordechai in eigener Person und erzählte uns von den Begebenheiten am Hofe des Königs Ahasveros. — Einige Inngens hatten kunstvoll -in-n Haman und den dazu gehörigen Galgen verfertigt, der bei der Versteigerung sehr hoch bewertet wurde. Alles in allem: es herrschte an dem Abend nnc Fröhlichkeit, echte Purimstimmung und das wesentlichste war: die Eltern haben sich bei uns sehr wohl gefühlt und sind zu der Ueberzeugung gckommc.i, daß der Vlau.weiß doch nicht gar so schlimm sei. — Auch sonst herrscht bei uns reges Leben. Jetzt, wo der Frühling naht, ist die Beteiligung zu den Fahrten wieder gut und für den Sommer wollen wir uns ein Landheim pachten. — Hans Friedemhal leitet einen Führerkurs, an dem auch ältere Wandrer und Wandrerinnen teilnehmen und in: Hebräischen kommen wir tüchtig vorwärts. Walter Preuß besuchte uns auf Urlaub. Erwin Rabau, der einige Monate in Posen geweilt hatte, ist leider ins Feld gekommen. < v Hede Baer Rattbor. Der wanderbetrieb war in letzter Zeit nicht allzu rege, da wir sehr mit den Vorbereitungen zu einem purimellernabend beschäftigt waren. Dieser siel auch wirklich ganz großartig aus und machte vor allem Propaganda. Na, wir haben auch genug ausgestanden, draußen war das herrlichste Frühlingswetter und die ersten Schneeglöckchen und Kätzchen, und wir mußten den ganzen Nachmittag im Zimmer sitzen; dafür haben wir uns aber nachher auf einer herrlichen Nachtfahrt tüchtig aüsgetobt. Sonst kann ich Luch nur noch erzählen, daß wir die zweite Mädcheugruppe geteilt und eine neue dritte Gruppe gegründet haben und uns mächtig auf den Frühling und den Bundestag freuen. Lisbet Mannaberg 245

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