Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 6 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Grüßend schreitet der Wanderer vorüber. — Der Dunst, der ans dem Meere aufsteigt, umnebelt mich und gaukelt mir seltsame Gebilde vor; verschwunden die Eintönigkeit. Das Meer reizt mich, zieht mich an. Gierig lasse ich die Fülle des Heideglanzes über meine Seele fließen. Wein Auge fleht in den Weiden, den Sträucherndem Schilf einen Reichtum von Farben voll tiefer, gesättigter Reinheit, einen Zusammenklang der schweigendsten Farbentöne. Und mein Mhr vernimmt das Zwitschern und Trillern der Rohrschilfsänger, das Glukfen und Gurgeln des trügerischen Meeres. Sinnend bleibe ich stehen und spähe und gucke da hinüber. Da ist dort drüben ein Zucken, ein Heben der Fläche, ein rötliches Leuchten; es glänzt ein güldenes Haar; da steigt aus der braunen Fläche ein weißes Antlitz auf ...... Eine uralte Sage wird in mir.lebendig — die Sage von den Meerjungfrauen. Und die tanzen über die weiten Flächen und die goldenen Haare wehen tut Wind. Sie flechten das weiche Silber des Grases in ihre Haare zum Schmuck ihrer Stirnen und Scheitel. Eine große Stadt sei da vor langer Zeit verschwunden, sagen die Leute — nun deckt sie der braune, schlammige Grund. Und die Irrlichter, die des Nachts um das Schilf wehen, die Elfen, die den Reihentanz weben, find die Seelen toter Menschen ...... Endlich weckt mich Gezwitscher aus meinem Sinnen und rasch flnd alle Schattenbilder verschwunden. Weitet entferne ich mich und strebe -ein Ziele, dem Heidelsteine, zu. Noch einmal schaue ich nach dem Meere zurück und sehe, wie der rötliche Schein der spärlichen Sonnenstrahlen des trüben Tages im Wafferfchlamm sich spiegelt; über den braunen, sanften Linien des unter mir liegenden Meeres loht der purpurne Brand des Widerscheines. Und alles scheint rüie aus Braun, Grau und Glanz gemischt. Immer kleiner wird das Meer, immer größer werden die Steine, die Erdwallung, die Bank auf dem Heideistein. Und dort auf dem Gipfel angelangt, auf dem von frohen, jubelnden Wanderern umlagerten Erdhügel, da ist das Meer den Blicken entschwunden. —- Noch lange aber lag mir diese traurig einsame Meergegend, in der ich so viel Schönes wachend erträumt hatte, im Sinne. Frankfurt a. Main. Walther Sundheim er.