Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 5 (1917-1918)
- Issue
- 3 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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feinsten Schlössern der Welt zu Hausen: im luftigen Gezelt aus Zweig und Blatt, durch dessen Dach die Sterne funkeln. Sie haben es nie vergessen und die Sehnsucht danach stets bewahrt, auch wenn Genußsucht und Begierde jede andere Regung verdrängt zu haben schienen. Die Propheten haben davon gesprochen und reichlichen Lüstlingen das stolze reine Leben der wüste vorgehalten; die Rechabiten, und später Assidaeer und Lffaeer zogen in allem Glanz rafstnierter Zivilisation dem rauschenden Jerusalem die wüste, dem betäubenden wein das köstliche Wasser der Gasen, dem Prunkpakast die Dürftigkeit der freien Sukkoth vor. Ja, während der ganzen Zeit der Diaspora hat das jüdische Volk nicht aufgehört das Fest der Sukkoth zu feiern als ein«; Erinnerung, zugleich aber auch unbewußt als ein Symbol seines unverlierbaren Dranges nach Freiheit. — wieder ist eine Zeit der Schicksalswende wie damals, als die Rinder Israel aus Mizraim zogen. Wieder ist äußere Knechtschaft von uns genommen, da selbst in Rußland das Joch znbrach, und wieder kommt alles darauf an, ob wir nun befreite Sklaven oder freie Männer sind, ob wir vierzig oder vierhundert Jahre durch die „Wüste" irren müssen, bevor wir das Land der Verheißung betreten dürfen, oder ob wir würdig find unsere Sehnsucht erfüllt zu sehen, „bald, noch in unseren Tagen." Denn diese Frage stellt die Zeit an uns und jeder Einzelne wird sie für sich beantworten müssen. Es steht «ns wohl an, am Sukkothfeste, dem Feste der Erinnerung, den Blick der großen Gegenwart zuzuwenden. Denn wir sind begnadigt Ereignisse mitzuerleben, die feit Jahr» .Hunderten ohne Beispiel in -er Geschichte des jüdischen Stammes find. Fast will es scheinen, als sei «in junger Geist im alten Volke lebendig geworden» haben wir, als der Krieg ungeheure Leiden über die große Menge unserer Brüder brachte, fürchten müssen, daß die geringen Anfänge jüdischer Erneuerung dem Sturme nicht würden Stand Hallen können, so dürfen wir heute mit Recht behaupten, daß gerade das Gegenteil von unseren Befürchtungen eingetrossen ist. In aller Not und in allem Elend erwachte das Nationalbewusstsein der Juden zu ungeahnter Macht. Ueberall begannen sie ihr Schicksal, auf dessen Gestaltung bisher nur Fremde Einfluß hatten, selbst in die Hand zu nehmen. Das Beispiel der kleinen Völker, die entschlossen auf den Plan treten, um ihr Recht auf Leben und freie Entwicklung zu erkämpfen oder zu behaupten, belebte die Tatkraft. Das Bedürfnis nach einem repräsentativen Umschwung der Gesamtnation machte sich geltend; da es infolge des Krieges nicht zu befriedigen war, vereinigte»