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Blau-Weiss-Blätter · 1917-04-01 · 6 (4.1917) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
4 (1916-1917)
Issue
6 (4.1917)
Date
1917-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Einheit ersetzt sehen, wenn , es ein Volk , bleiben soll. Rein geistige Güter sind kein solches Band: man sieht fie nicht, hat kein Bild »ort,'' ihnen, hält fie nicht. Organische Einheit kommt nur von sichtbares, greifbaren Dingen, die in das' ursprüngliche Linnenleben des .Volkes, -sich park hineinweben und eine heimatliche Stimmung, ein volkstümliches Wesen erzeugen. So, nur so entstehen Gefühle der Zusammengehörigkeit, Taten der Volksbefteiung. feindlich anstürmendes Schicksal mag sie zuletzt ausläsen, werden und wachsen können sie nur in der stillen, warmen Atmosphäre der Volksfitten, unter der milden Sonne der alten, ewig neuen Feste. ) . Darmn liebe ich euch, Feste meines Volkes! ' Luch — nicht als sinnlose Zeremonien, sondern. als sinnvolles Bilderschaffen, als Umsetzen der alten Erinnerungen, der alten Freuden und Martern in Kunstwerke, des Lebens. Die großen Schicksale gehen durch die Jahrhunderte, um endlich auszuströmen in dieses konzentriert« zweite, symbolische Erleben: die Festtage. 'In euch, Feste meines Volkes, spricht sich die einheitliche Seele der Töten und der Lebenden aus, und die Volksseele kann durch euch, in euch geschaut und geliebt, die schlummernden Reime wecken. Ihr seid ihr Körper, und sie wirkt durch euch, weil nur Körperliches unmittelbar wirken kann, aber Seele bleibt fie, und Seele ist der letzte Sinn ihres Tuns. Und so schöpft sie aus dem Leibe, Len sie sich geschaffen, ewig neues Leben. Wie der Künstler aus dem Stoff der Erde sichtbare Werke schafft, in die er sein Seelenerleben legt und die im Empfangenden wieder zu Seelenerleben werden. Sitten sind Volksckunst, wie Lieder und Tänze, „allheilig dem, der ihre Seele sucht." Darum liebe ich euch, Feste meines Volkes, wie ein Rind feine Mutter liebt. Und will zu euren Füßen fitzen und euren Mären lauschen unschauen, wie euch in unseren Tagen «ine neu« Weihe wird und ein neuer Glanz: wie -er lebendige Aehrenkran; -er Auferstehung auf -euer Haupt gelegt wird und euer Angesicht sich verwandelt. Und will von eure» Händen das Geschenk der Kraft nehmen, die Schönheit wird, und das Geschenk der Heiligkeit, die nicht hinter den Wolken ihren Sitz sucht, sondern im Wogen des Erdentages, und bas Geschenk der Reife, die Unendlichkeiten in ihrem Schoße trägt und sich doch geruhig im Gegebenen auslebt.

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