Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 4 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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erzählt von der Schichtung des (tfcfteiii# in den Bergen, aber auch von der Geschichte unseres Volkes und von der Gegenwart unserer Brüder, die sich auf dem Boden unserer Väter eine Zukunft erkämpfen, er Weib von Tausenderlei zu berichten und verschweigt nicht die tragikomischen Zufälle eines Eselsrittes. So soll man wandern, rechts nnd links schauend, mit wachen Sinnen sich freuen, spähen und werben, ehrfürchtig anfnehmcn liiib lernen. Und wenn ich auch meine, daß man eine Erscheinung wie den Prophetismns nicht ans der Landschaft erklären, ja überhaupt keine so einfache Formel dafür aufstellen darf — sollte man nicht statt vom Prophetismus von den Propheten sprechen und brachte nicht das lachende Gefilde des Arno einen Savanarola, der Ernst der jüdischen Landschaft die leuchtende Pracht des Hohenliedes hervor? — so fühlen wir nns doch gefesselt, ergriffen und zum Nachdenken gezwungen gerade da, wo wir widersprechen müssen. Zn Widerspruch ganz anderer Art zwingt Otto Simons Aufsatz „Vom Weg zum Führer". Er erschien vor Jahren In den Blau-Weiß-Blättern. Mußte man Ihn wirklich nach einer Zeit gewaltiger Entwickelung, nach Lockwitz, wieder hervorsuchen V Heißt es nicht diese Entwickelung verneinen, wenn man unsere eigensten Sorgen nnd Nöte über irgendwelch andereil Bestrebungen vergißt? Steht wirklich die Geschichte unseres Volkes für uns auf gleicher Stllfe mit dem Schrifttum der Antialkoholliga, des Vortrupps und der Vereinigung für Wohnungsreform? Zelte aufschlagen und Wullden verbinden muß natürlich jeder Führer könilen. Aber jeder Blan-Weißführcr sollte auch empfinden, daß mail das Einzige, was man vom jüdischen Inhalt nuferer Bewegung erwähnen will, »licht beiläufig »leben derartige Forderungen setzen darf. — Mir will oft scheillen, als trieben wir zu willenlos im Strome der bentfdjcu Jugendbewegung. Wir haben gewiß andere Nöte, andere Sorgen, andere Aufgaben als jene. Fühlt Simon nicht, daß unser Weg vom Erleben fremden.Kampfes znm Erstreben eigenen Zieles gehen muß? Oder scheint ihm die Erziehung des jungen Menschen znm Jndentnm, zum Inden so einfach, daß es ihm nicht vcrlohilt, davon zu reden? — Wer kann und weiß, was Otto Simon tu diesem Aufsätze verlangt, mag, vielleicht, ein leidlicher Wandervogelführer sein, die Eignung znm Blan-Weißführcr hätte er erst zn erweisen! Darüber durfte meines Empfindens nur eine Meinung sein, so sehr sonst unsere Ansichten über die Art nuferer Arbeit äuSeittandergehen. ES gibt eben gewisse Dinge, über die wir eillig sein müssen nild letzteil Endes auch einig sind, wenn auch der oder jener Artikel einen anderen Anschein erweckt. Sonst — nun der Blau-Weiß ist kein Friedhof, auf dem nichts herrscht als die Ruhe geistigen Todes. Wir freuen uns des Kampfes nnd wissen, daß es Leben bedeutet, und daß es eine Gefährtentreue gibt, die sachliche Gegeilsähe ohne persönliche Verstimmungen ehrlich anSficht. Drum darf ich auch sagen: den einleitenden Aussatz von Joseph Marcus «Unser Tagebuch" lehne ich ab. So ist es nicht, daß wir nur ein Ableger der stolzen Eiche der deutschen Jugendbewegung sind. So ist es nicht, daß wir die Freiheit unseres Wesens und Wollenin alle Ewigkeit tragen wollen.. Das heißt nicht sich die Freiheit des Daseins erkämpfen, wenn neben dem Bewußtsein deutscher Tat in uns sich auch das Bewußtsein irgend welchen jüdischen Elends regt. Wenn MarenS sagt: wir wollen auf die Stimme rsnseres Blutes hören, so wissen wir. daß dieuns eine andere, tiefere Devolution bedeutet, als es der allgemeine Kampf der Jugend „gegen UeberlebteS, Philisterhaftes, Materielles", ist von dem Marcus W