Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 4 (1916-1917)
- Issue
- 4 (12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Bei jeder Belagerung wurde der sogenannte „Röhrkasten" in Stand gesetzt, uni ausbrechendes Feuer sofort löschen zu können; $00 Juden bedienten ihn; auch bei Festlichkeiten taten sie gleichen Dienst; z. B. anläßlich der Krönnngsfeierlichkeiten König Friedrichs (von der pfalj) im Jahre 1620. __ Der hohe Rabbi Low und der Tod In den Zeiten des hohen Rabbi Löw kam die Pest über die Stadt Prag. Der Würger Tod schritt durch die Gassen, und war kein Haus, das er verschonte: wo ehedem die Fiedel klang, tönten jetzt Grabeslieder; wo eben bunte Kleider prahlten, hüllte man sich in graues Bnßgewand. Und die Tage vergingen, aber das Sterben blieb. Wer Morgens die Feder am Hut zur Liebsten ging, lag Abends kalt und starr mit erloschenen Augen und aschgrauen Antlitz im Sande.' Der Ritter, den Fuß im Bügel schwang sich »licht in den Sattel, eine kalte Faust zerbrach sein Herz unter dem Harnisch. Dem Schalksnarren erstarrte der Witz auf den Lippen, das Mädel, das singend zum Brunnen schritt, taumelte, stöhnte und verstummte für immer. Und die Säuglinge auf dem Arme der Mutter erloschen, wie kleine Flänrmchen, die der Wind ausblies, ja die Vögel fielen ans der Luft, und in den Ställen verreckte das verlassene Vieh. Schon begrub man die Toten nicht mehr; denn das Entsetzen lähmte jede Kraft. von allen Türmen wimmerten die Glocken, in allen Kirchen klatschten die Geißeln auf sündige Rücken, und während di« Frommen betete,» und büßten, raubten leichtfertige Buben in den leeren Häusern oder feierten rauschende Feste auf den Hügeln der Toten .... Und die Tage vergingen, aber das Sterben blieb. Die Geißel Gottes schlug die verruchte Welt, und verschonte nicht den Ueberrest Judas, der sich in den» engen Prager Ghetto zusammendrängte. Tag für Tag sammelte sich die Gemeinde zur Totenfeier, Tag für Tag waren es weniger, die den Kaddisch sagen konnten, und Tag für Tag waren es mehr, die man in das traurige Gebet einschließen mußte» Da einten sich die Trauer-und die Verzweiflung zu inbrünstigem Flehen, daß die Gebete der Armen die verschlossenen Pforten des Himmels sprengten und den Weg fanden zum Herzen des Ewigen, gelobt fei er. Zu dieser Zeit scharten sich di« Juden um Rabbi Löw, und er mar unter ihnen wie ein Unsterblicher. Denn er pflegte die Kranken und segnete die Sterbenden und küßte den Schwachen den Schmerz