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Blau-Weiss-Blätter · 1916-02-01 · 5 (2.1916) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
5 (2.1916)
Date
1916-02-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«in M-Vrief Ruff. Polen, 6. 9. Liebe Wanderbrüder und -Schwestern! Ich bin nun schon 4 Tage hier und komme erst jetzt zu Luch, wo ich bin, dürstet Ihr auf der Karte schon ausgesucht haben. Ls ist hier das Uebungslager eines ganzen Korps und war auch schon von den Russen benutzt worden. Unser Bataillon liegt in einem verlaffenen Meierhof, nach einer anderen Version war drin eine Kosakenkaserne. Ls ist schwer zu unterscheiden, wir haben die Offiziers- Häuschen bezogen. Um Euch nun ein Bild von dem Lager zu machen: Ca. 4L Minuten von der Stadt ist ein Birkenwäldchen, durch das die breite Warschauer- Straße führt. Rechts von der Straße liegen, Ln einem großen Viereck angeordnet, die Mannschaftsgebäude. Links von der Straße, mitten drin im Walde zerstreut, liegen kleine Holzhäuschen, eine Art Blockhäuser, doch weiß und blau getüncht, innen mit roh gezimmerten wänden versehen, grad' so, l. Gisa, wie ich mit Dir einmal unser zukünftiges Landheim gebaut habe. Als wir herkamen, belegten wir, d. l. Fritz Brada, ich und noch 2 Kameraden eine Hütte. Doch drinnen sah es ganz trostlos aus. vier Bretter, sonst nichts. Und da haben wir alle gesehen, was uns Litten und unser Heim gegeben. Rur so können wir uns erklären, wie wir in einem Tag aus Nichts ein kleines Paradies geschaffen haben, das uns nicht nur ein Obdach ist, sondern wirklich ein zweites Heim im Feindesland, wie gerne möchte ich Luch alles zeigen, unsere Betten aus Reisig und Zapfen, unsere schöne Veranda, kleine weiße Birkenhölzchen und noch vieles andere. Auch meinen Burschen vom 3. Zug habe ich ihren Stall ganz passabel hergerichtet, sodaß sie sich alle damit gefreut haben, was das für Soldaten hier bedeutet, kann man sich zu Haufe nicht vorstellen; Ihr könnt es Luch denken. Sagt das unseren jungen Militaristen! Daß ich mich hier also recht glücklich fühle, müßt Ihr mir schon verzeihen. Zu essen haben wir aus der Off. Menage-Feldküche, sehr fein und viel. Weißbrot, Sardinen, Emmentaler, Rotwein in Mengen, Tabak, feine Zigaretten. Unser Hauptmann nennt uns Kadetten einfach die «Iungens" und füttert uns recht sorgsam, wir haben ihn dafür auch sehr gerne. Au üben haben wir auch genug. Alles feldmäßig und sehr interessant.! Ls regnet draußen und wir sitzen hier alle um den Tisch herum. Ich wollte schon sagen im Trockenen, als mir gerade ein Tropfen auf die Nase fällt. Also zu Roschhaschangh gehen wir in die Schul' in die Stadt und halten abend einen Heimabend, (vergiß nicht, l. Gisa, ihn in die Statistik einzutragen.) Schalom! Euer Robert Teller (Prag) Chanukah Wanderung Blau-Weiße, junge Juden find wir. Auf den Saiten unserer Lebensharfen erklingt «in neues Lied. Wohl blieb der Grundakkord der gleiche, der sich durch unserer Väter Leben wob. Doch lieblicher tdnt unsere Melodie, weil sie frei anssteigt aus dem alten Alang. Wie klingen zart durch diese anmutsvolle Weise — der alten Themen, die uns lieb und traut geblieben, unwandelbar erhabene Motive. U«

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