Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 3 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2425321-3181698-3181701--0428-3182247- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
vom wandern ist nicht viel Neues zu berichten. Ls ist eigentlich selbstverständlich, daß jede Fahrt wunderbar ist, und daß jeder, der irgend kann, mitkommt. Besonders zu erwähnen ist nur, daß die Mädel eine mehrtägige Fahrt ins Riesengebirge machten und die Jungen in \2 Tagen von Schreiberhau nach Dresden wanderten. Ls war sehr schön —, und geregnet hats in diesem Sommer halt überall. Aber etwas Anderes, Neues haben wir: Unser heim! Vergleichen kann ich nicht, denn ich kenne kein anderes Blau-Weiß-Heim. Ich glaube aber, es ist so schön, daß ihm zur Vollkommenheit kaum etwas fehlt. Man muß schon den Kopf zerbrechen, was man ihm an B e s o n d e r e m zuteilwerden lassen kann. (Wie z. B. Bilder, Vasen, Bücher oder — denkt selbst nach, was ihr uns schenken wollt!) Das Schönste an ihm ist vielleicht, daß wir alles selbst gemacht haben, außer etwa der Tischlerei und dem Mattenflechten. Aber natürlich: anstreichen, tapezieren, polieren, malen und anderes Dazugehörige, das ist unser Werk! — Das Allerschönste aber ist, daß wir unser heim so lieben, so stolz darauf sind, und daß Allen daraus soviel neue Freude und Arbeitslust für den Blau-Weiß erwachsen ist. Bei der heimweihe — die wir nicht so nannten, und die uns doch ein weihefest geworden ist — haben wir so ganz das Glück empfunden, Blauweiße zu sein! — Ihr Breslauer Führer und Wanderer im Felde: Freut euch auf das heim! — (Elfe Kober $atnfctt*g. Unser Leben gleitet ruhig dahin, von allzu stürmischen Ereignissen innerhalb des Wanderbundes nicht sonderlich bewegt. Linzig und allein erfüllt uns alle der Wunsch, unsere Soldaten alle recht bald in guter Gesundheit wieder bei uns begrüßen zu können, um die frohe jüdische Grtüchtigungsarbeit mit verdoppelten Kräften dann wieder aufnehmen zu können. — Jungen und Mädels lernten fich auf gemeinsamen Heimabenden und Treffahrten (sogar einer zweitägigen!) besser kennen und fteuten sich miteinander. — verschiedene wanderbünde sandten uns Berichte über ihre Führerschaftsfitzungen; wir danken ihnen hierfür herzlichst und versprechen, ihnen auch die unsrigen zukommen zu lassen. — Die Breslauer Führerin Lucie Kober besuchte uns und verbrachte einige schöne Tage mit uns. — von unseren Führern hat Wertheim das Eiserne Kreuz erhalten; er ist in Polen — zum zweiten Mal — verwundet worden. Traubermann hat in Kurland einen Schuß in den Arm bekommen. Die Verletzungen beider sind erfreulicherweise nicht bedeutend. Wir werden hoffentlich die beiden Verwundeten während der Feiertage hier begrüßen können. Jsaac Schwabacher MannheiIN. Der wanderbetrieb geht geordnet weiter. Unser Führer Jsackowitz machte mit $ Jungens eine vierzehntägige Fahrt in den Schwarzwald. — wir hatten das vergnügen, dreimal Berliner und einmal Lölner Bundesbrüder in unserem Landheim in Hemsbach begrüßen zu können, wir laden auch die Anderen herzlichst ein. Jeden Dienstag Abend fanden Heimabende statt. Wir unterhielten uns da über jüdische Geschichte und Literatur, lasen vor (z. B. Heines „Rabbi von Bacherach") und übten und lernten Lieder. Fahrten und Heimabende waren den Zeitumständen nach gut besucht, und wir find voll Zuverficht, den Krieg zu überdauern. — Alex Skurnik wurde jetzt auch zu den Fahnen berufen. Unsere Wandrerin Llara L e v y wurde in die Führerschaft ausgenommen. Obwohl ich noch sehr jung bin, habe ich auf allgemeinen Wunsch die Leitung der Führerschaft während des Krieges übernommen. Von unseren Führern im Felde haben wir gute Nachrichten. hansFeibelmann 70