Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 8 (1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2425321-3181687-3181696--0312-3182146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sonntagsfreude auch einen Strahl fallen auf die Wochentage, die dir bevorstehen, Lache der Philister in der Stadt. Aber lache auch über die Naturphilister, über die, welche da glauben, die Natur zu lieben, indem sie Sonntags hinausgehen und sie mißhandeln. Denke, mit welch feinen Worten der feinsinnige Hermann Hesse ihrer in seinem Peter Eamenzind spottet: „Sie sagen, sie sieben die Natur*, das heißt, sie sind nicht abgeneigt, je und je ihre dargebotenen Reize sich gefallen zu lassen. Sie gehen hinaus und freuen sich über die Schönheit der Erde, zertreten die Wiesen und reißen schließlich eine Menge Blumen und Zweige ab, um sie bald wieder wegzuwerfen oder daheim verwelken zu sehen. So lieben sie die Natur. Sie erinnern sich dieser Liebe am Sonntag, wenn schönes Wetter ist und sind dann gerührt über ihr gutes Herz. Sie hätten es ja nicht nötig, denn der.Mensch ist ja die Krone der Natur*. Ach ja, die Krone!" Unsere Kleidung r Lege auf dein Aeußeres beim Wandern Wert, kleide dich sorgfältig, einfach, zweckmäßig. Wer sich lässig und sorglos zum Wandern kleidet, wird schwerlich ein eifriger Wanderer sein. Man kann in der Sorgfalt seiner Kleidung seine Liebe und Lust zum Wandern leicht zum Ausdruck bringen. Und das soll für Blau-Weiße besonders gelten. Wir dürfen den Wanderern da draußen keine Veranlassung bieten, an unserem Aussehen — ebensowenig wie an unserem Benechrnen—- Antik zu üben. Behalte immer das hübsche Wort Lendrichs im Sinn: das Kleid ist ein Steckbrief, und ahnungslos schreibst du ihn dir selbst. *) *) hier mochte ich einen Brief wiedergeben, den mir Erna Michaelis- Berlin mit der Bitte ihn abzudrucken geschrieben bat: „Auf unserer Lhanukah fahrt am \5. Dezember ist es mir sehr unangenehm ausgefallen, und ich weiß daß es anderen ebenso gegangen ist, daß einige Mädchen mit silbernen Armbändern und großen schwarzen Schleifen im haar auf die Fahrt gingen. Ich glaube, daß beides auf einer N?anderung sehr unangebracht ist. lüit sollen doch ans den Abänderungen so einfach wie möglich gekleidet sein. Gesundheit, Fröhlichkeit und Natürlichkeit sind die besten Schmuckgegenstande, die wir auf der lvaiidenmg haben, wir sollen doch auch alles, was uns zu sehr an das tag« liche Leben, an die große Stadt erinnert, abtun und zuhause lassen, und dazu gehört doch sicherlich auch ein silbernes Armband. Ich hoffe (und ich glaube, daß Viele andere das auch tun), daß so etwas nicht wieder oorkommt. A?enn eure Zopfe durchaus immer aufgehen, so bindet eine Schleife hinein, die zum Zusammenhalten dient, aber tragt nicht große Schleifen nnr zum Schmuck! lvcrrn ihr aber durchaus silberne Armbänder und große Schleifen tragen müßt, so macht keine Wanderungen, denn ihr stört damit die anderen."