Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 8 (1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nach allen Häfen des Orients, Europas und Amerikas, war versiegt; tausende von Gaffern Weines konnten nicht verfrachtet werden, Millionen von Orangen drohten nutzlos zu verfaulen. Wenn Palästina dennoch bisher vom äußersten verschont geblieben ist, so hat das seinen Grund in der Umsicht und Opferwilligkeit, mit der unsere Brüder dem Schicksalsschlage begegneten, der ihr Land traf. Schon bevor die amerikanischen Juden durch den amerikanischen Botschafter in Konstantinopel, Herrn Morgenthau, der ein Jude und ein rechter Sohn seines Volkes ist, Hilfsgelder nach Erez Israel senden konnten, zeigten unsere Brüder, wie man dem großen Unglück begegnen kann, wenn sich der Einzelne dem Wohl des Ganzen unterordnet, wenn Disziplin und Opfermut alle beseelen. W ir haben es immer gewußt, daß wir Juden ebenso sehr die Kraft zur Disziplin haben wie andere Völker. Jetzt, in der Stunde der Not, haben unsere Brüder in Palästina den Beweis erbracht. Unter der Leitung weniger Männer, denen sich alle willig unterordneten, wurde das große Hilfswerk organisiert. Nur so war es möglich, einen vernünftigen Austausch von Lebensmitteln herbeizuführen, Getreide aus den jüdischen Kolonien in Galiläa nach Judäa, Orangen aus den jüdischen Pflanzungen in Judäa nach Jerusalem und Jaffa zu bringen. Das unbedingte Pflichtgefühl gegenüber der Gemeinschaft erweckte in den jungen Palästinenserinnen den Wunsch, ihre ganze freie Zeit zu opfern und in glühender Hitze am Suppenkessel der schpell eingerichteten Volksküchen zu stehen und den Armen und Arbeitslosen Tag für Tag Essen zu reichen und Tee zu kredenzen; Pflichtgefühl war es, daß unsere jüdischen Hausfrauen, auch die, welche noch reichlich Geld in Händen hatten, dazu trieb, ihren Verbrauch an Lebensmitteln sofort einzuschränken, damit die Armen nicht darben sollten, den Tee ohne Zucker zu trinken und des Morgens auf Weizenbrot zu Verzichten. Im Dienste und zum Wohle der Gemeinschaft geschah alles, was die jüdischen Kolonisten nach sorgfältiger Beratung in dev Stunde der Gefahr unternahmen. Bisher hat dieses nnbedingte Zusammenstehen unserer Bruder in Erez Israel das Schwerste vom Lande abwenden können. Aber noch steht das Gespenst der Kriegs- und Hungersnot drohend vor den Toren Palästinas. Wird das jüdische Kolonisationswerk in Erez Israel diese Krisis überstehen? Wer kann es sagen? Eines ist gewiß: alle, denen unseres Volkes Zukunstsschickfal am Herzen liegt, werden Opfer bringen müssen, um zu erhalten, was in so schonen