Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 7 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wer von euch Jüdisch schon gehört oder gelesen Hai, weiß, daß 4S mit dem Deutschen große Aehnlichkeit hat. Woher kommt das? Als im J3. und Jahrhundert die Juden durch Verfolgungen im heiligen römischen Reich deutscher Nation gezwungen waren, nach Hem Osten auszuwandern, sprachen sie Mittelhochdeutsch wie Hie Deutschen, in deren Mitte sie wohnten. Und wie die Juden ihre, -alten Litten und Brauche treu bewahren, so erhielt sich bei ihnen auch Hieses mittelalterliche Deutsch, während sich in Deutschland einzelne' Dialekte herausbildeten und das Neuhochdeutsche — besonders Hurch Luthers Bibelübersetzung — allmählich die Schrift- und Umgangssprache der Gebildeten wurde, hatten die Juden in ihr mittelalterliches Deutsch schon immer viele hebräische Worte ausgenommen^ jo drangen nun im Osten polnische und russische Worte in die Sprache -sin, ebenso wie später in London und New-tzork auch englische Worte Eingang fanden. Im ganzen" aber btieb doch "der deutsche Grundbestand der Sprache erhalten, sodaß es auch heute jedem Juden des Ostens möglich ist, sich überall in Deutschland verständlich zu machen. Es ist also ganz falsch, im Jüdischen ein verdorbenes Deutsch zu erblicken. Es ist älteres Deutsch gerade so wie die Tracht der Holnischen Juden, ihr Aaftan, die dort im Osten treu bewahrte Tracht der deutschen Hausväter des Mittelalters ist. . Unser erstes Gedicht ist von Morris Rosenfeld, einem nach New-Vork ausgewanderten polnischen Juden, der dort jahrelang als Schneider lebte und eine große Menge schöner Gedichte in jüdischer Sprache schrieb. Eine Auswahl ist unter dem Titel „Lieder Hes Ghetto" in deutscher Übertragung von Berthold Deiwel mit ^Illustrationen von L. M. Lilien erschienen.*) . Das zweite Gedicht stammt aus der Feder eines Hamburger Blan-Weißen. M. 2L. * *) Zu beziehen durch den Jüdischen Verlag. Berlin lv. J5, Sächsische 5tr. 8. j)ceis geb. III. 4.80.