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Blau-Weiss-Blätter · 1913-04-01 · 1 (4.1913) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
1 (4.1913)
Date
1913-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Blau-Weiß-Blätter 5 Von Fahrten und Rasten. Einführung. Von Fahnen und Rasten sollt Ihr selbst berichten. Das habe ich Euch nun schon so oft gesagt und auch schon einmal geschrieben, aber Ihr denkt natürlich: „Schreiben tun wir schon genug in der Schule." Da habt Ihr recht. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man in der Schule nach Diktat schreiben und sich alle Fehler rot anstreichen lassen muß, oder ob mah einen richtigen „Artikel" für eine „Zeitung" schreibt, der nachher — vielleicht — sogar gedruckt wird. Und der Herr „Redakteur" streicht die Fehler nicht rot an, sondern er verbessert alles und tut so, als ob er nichts gemerkt hätte. Wenn Ihr nun von Euren Fahrten und Heimabenden oder andern Heldentaten erzählt, dann sollt Ihr nicht bloß trocken und dürr hintereinander aufzählen, wie es gewesen ist: „Um 8 Uhr 12 Minuten fuhren wir ab. Um 9 Uhr hielt der Zug. Wir stiegen aus und gaben unsere Fahrkarten ab. Herr Kuhn brüllte: Antretenr Das ist nicht die richtige Kunst, die Ihr auf diesen kostbaren Blättern üben sollt; sondern Ihr sollt zeigen, daß Ihr ein wenig „beobachtengelernt habt, ich meine, daß Ihr draußen vor der Stadt seht, was die Welt lebendig und farbig macht: nicht bloß den Stein, über den Ihr stolpert, weil Ihr immer Eure Schokolade auswickeln müßt und dann überhaupt nichts mehr seht, sondern auch, was fern am Horizont zu bemerken ist, was dort im Getreidefeld oder im Busch neben dem Wege geschieht, — wo es plötzlich raschelt, wenn Ihr vorübergeht. Einzelne Augenblicke sollt Ihr auswählen und schildern. Augenblicke, in denen Ihr irgend etwas besonderes gedacht habt, — zufälligerweise einmal etwas anderes, als: „Wann machen wir Mittagsrast'?" Augenblicke, in denen Euch etwas zum erstenmale aufgefallen ist, oder in denen Ihr über irgend etwas herzlich gelacht habt. Also nicht bloß, was Ihr getan habt — was Ihr gesehen und gedacht habt, das wollen wir erfahren. Manch einer ist unter Euch, der sieht den Wald vor Bäumen nicht, aber mancher sieht im Walde noch mehr, als es eigentlich zu sehen gibt. Wißt Ihr, was mit dem los ist? Der hat Phantasie. Er belebt den Wald mit allerhand bunten Gestalten, mit Riesen, Zwergen oder Räubern und denkt sich törichte Geschichten aus. Wir anderen wollen diese Geschichten aber auch kennen lernen, und darum soll er seinen Griffel zur Hand nehmen und sie hier niederschreiben. Vor allem spreche ich auch zu Euch, Ihr werten Herten von der Prima und Obersekunda, Ihr Damen von den höheren Klassen. Wenn Ihr die Zeitschrift des „Wandervögeis" aufschlagt, werdet Ihr bald merken, daß dort die Fahrtberichie von den Aelteren geschrieben werden. Es sind lauter feine.

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