Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 9 (1937)
- Issue
- 2 (5.1937)
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Jn memoviam: Nathan "Birnbaum b"T Nathan Birnbaum hielt im Sommer 1930 in der VJ.A. Berlin einen Vortrag, in dem er das Thema „Kunst und jüdischer Genius" behandelte. Voller Spannung hörte ein jeder den Ausführungen des Referenten zu: Etwa, wie er auseinandersetzte, warum das biblische Judentum wohl eine Musik und in gewissem Maße auch eine Baukunst, nicht aber eine Malerei entwickeln konnte. Es klingt mir noch in den Ohren, wie er mit edlem Pathos Liszts Ausspruch zitierte: die Baukunst sei nichts anderes als gefrorene Musik. — Unglücklicherweise war der Raum, in dem wir uns befanden, ein Durchgangssaal und jedesmal, wenn jemand ihn passieren wollte, mußte er eine entsetzlich knarrende Tür öffnen. Die Zuhörer ertrugen dies eine Weile lang, bis ihnen schließlich die Geduld riß. Jedermann, der nunmehr durch den Saal schlich, wurde mit empörtem Füßescharren begrüßt, was heißen sollte: Unterlaßt doch diesen infamen Krach. Ihr stört den Referenten und die Hörer. Das währte so lange, bis Nathan Birnbaum mit erhobener Stimme rief: „Warum scharrt Ihr? Die Tür ist schuld, nicht aber die Menschen!" Dann setzte er seinen Vortrag fort, unbekümmert um die Störungen, die bis zum Schluß des Vortrages andauerten. Das Verhalten Birnbaums hatte ungeheuren Eindruck auf mich und offenbar auch auf die übrigen Hörer gemacht. Die Dinge sind in Unordnung, die Menschen sind gut. In jener Stunde lehrte mich Nathan Birnbaum ein Stück Minhag Chassiduth. (Mitgeteilt von Dr. Hans Meyer.) Zlus der flewegfiiiigr Köln. Im Herbst 1936 übernahmen wir das ehemalige Wohnheim der Jüdischen Jugendhilfe am Hansaring in Köln und gestalteten es zu einem Lemzentrum des Bach ad um. 20 Jungen und Mädel, die zum großen Teil schon 1 Jahr auf Mittleren- Hachschara, auf einem Gut in der Mark, gemeinsam igelebt hatten, faßten wir hier zusammen, damit sie sich */s Jahr nur der geistigen Arbeit widmen könnten. Der Schwerpunkt der Arbeit war auf den Vormittag gelegt. Die Jungen lernten in mehreren, nach wissensmäßigen Voraussetzungen getrennten Gruppen, unter der Leitung bewährter Pädagogen des Seminars. Die Mädel erledigten, unter Anleitung einer tüchtigen Wirtschafterin, die Hausarbeit, um die Jungen mittags in aufgeräumten Zimmern mit einem guten Mittagessen und frischgewaschener Wäsche zu empfangen. Der Lehrplan des Seminars war dankenswerterweise ganz auf die besonderen Wünsche und Ansprüche der Gruppe eingestellt. Aus folgender Aufstellung ersieht man, daß man bemüht war, eine möglichst umfassende 14