Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 9-12 (10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 98 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 98 ZI O N Nr. 9/12 Zur Diskussion. Ilse Herz In der Diskussion über Leos Referat ging man zum Teil grundsätzlich auf das Problem der Chewra ein, zum andern Teil wurden die technischen und organisatorischen Schwierigkeiten in der Stellenbesetzung und im Nebeneinander von Bund und Hachschara gestreift. Es wurde hervorgehoben, daß den Chawerim in den Bäte Chaluz dadurch Ueberlastungen entstehen, daß sie die Arbeit im Bünde machen und so ihre fachliche Umstellung nicht richtig auswerten können. Besonders wurde betont, daß bei der Auswähl der Stellen nicht genügend darauf geachtet wird, ob die Stellen gut sind, daß die Hanhala dafür verantwortlich ist, daß die Ausbildung ausreicht. In seiner Antwort wies Leo darauf hin, daß es sehr schwer ist, die Stellen zu kontrollieren und eine genügende Anzahl guter Stellen zu finden. Zur Lösung des Problems Bund-Hachschara wurde vorgeschlagen, in die Städte nur solche Chawerim zu schicken, die ihre Ausbildung bereit beendet hätten. Diese müßten während dieser Zeit richtig erfaßt werden, um dann die Erziehungsarbeit im Bund leiten zu können. Auch wurde die Möglichkeit eines Auswechseins von städtischen und ländlichen Stellen erörtert. Der Grundsatz, daß eine gute fachliche Ausbildung gewährleistet werden müsse, zeigte klar die Grenzen dieser Vorschläge. Ein Ausweg für die Schwierigkeit, während der Hachscharazeit Bundesarbeit machen zu müssen, ergab sich in der Ansicht, in jeder Stadt sollten zwei Chawerim nach Beendigung ihrer Hachschara hauptamtlich Bundesarbeit machen. In der grundsätzlichen Diskussion über Cewra schälten sich folgende Gedanken heraus: „Es wäre gut, wenn man von vornherein die Besetzung ienes Kibbuz-fiachschara nach bestimmten Gesichtspunkten regeln könnten. Die Ausführung dieses Vorschlages ist aber praktisch unmöglich, da man nicht genau über die Fähigkeiten eines jeden Chawer orientiert ist und man auch allgemeine Grundsätze der Stellenbesetzung zu. berücksichtigen hat. Aber die Verwirklichung dieses Idealfalles ist nicht einmal notwendig, denn der Hachscharakibbuz soll nicht eine Gruppe von Menschen umfassen, mit dem Ziel der beruflichen Umschichtung, sondern der geistigen und menschlichen Umformung. Klar kam der Gedanke zum Ausdruck, daß die kibbuzische Gemeinschaft der geeignete Ort für die Ausbildung und Ausprägung der Eigenschaften und Anlagen jedes Einzelnen ist und daß die kibbuzische Hachschara die Sonderung in gemeinschaftsfähige und gemeinschaftsunfähige Kräfte zu vollziehen hat. Der Mensch erwirbt sich seinen Platz in der Chewra, indem er sich ihre Ziele zu eigen macht, sich so die Gemeinschaft erobert und dabei von ihr umgeformt und umgestaltet wird. Wenn diese Umgestaltung vor sich geht, ist es unmöglich, Menschen, die nicht zusammengehören, zusammenzuhalten. Dann kann man sich das Recht nehmen, unfähige Menschen auszuschließen. Wie die Erfahrung gezeigt hat, handelt es sich dabei immer nur um Einzelfälle. Aus der Chewra als Gemeinschaft von Urm schichtlern wird dann die Lebensgemeinschaft. Voraussetzung für die Bildung einer Chewra ist das Bestehen einer schöpferischen Mitte und der daraus folgenden gemeinsamen Aufgabe. Diese gibt den Rahmen, in dem die Gemeinschaftsbildung sich vollzieht und die Zielsetzung, auf die hin sie erfolgt. Ein gutes Bild über den inneren Halt einer Chewra gibt das Bestehen eines bestimmten Milieus und seine Fähigkeit, auch Außenstehende zu assimilieren und dann umzuschmelzen. Eine Warnung wurde erhoben und mehrmals •unterstrichen. Oft sagt man bei uns Gemeinschaft und meint Geselligkeit. Erstere zeigt sich selten, gerade in Augenblicken einer Bedrohung, und wird durch kritische äußere Lagen noch erhärtet. Sie braucht nicht enge persönliche Beziehungen aller Chawerim untereinander vorauszusetzen, sondern eher eine gewisse Distanz, die den anderen als freie Eigenpersönlichkeit achtet und sich gleichzeitig mit ihm durch die Gemeinsamkeit des Zieles verbunden weiß. Die Geselligkeit beruht auf der engen persönlchen Beziehung, täuscht oft durch das Abgestimmtsein der Personen und des herrschenden Tones aufeinander die Existenz eines bestimmten Milieus vor und kann eine Menschengruppe nicht halten, wenn diese auf eine ernste Probe gestellt wird. Die Verwechslung dieser beiden Begriffe beruht auf einer Uebernahme von romantischen Vorstellungen aus der Jugendbewegung. So ist es zu verstehen, wenn Chawerim, die in den Kibbuz gegangen sind, nicht den erwarteten Konnex fanden, sich getäuscht sahen und resignierten. Mit dem Vorschlag, diese Fragen in einem Informationsrundschreiben weiter zu erörtern, schloß die Diskussion. Es ist im Laufe dieser Diskussion vieles Richtige über Gemeinschaft gesagt worden. Ganz gewiß ist es notwendig, alle romantischen Begriffe in der Erziehung zur Gemeinschaft des Kibbuz auszuschalten und statt dessen die lebendige „Mitte" zu schaffen, d. h. vor allem die gemein-