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Zion · 1934-06-01 · 6 (6.1934) · p. Seite 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
6 (1934)
Issue
6 (6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 55 (sequence 13)
Language
German
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Nr.'-6 ZI 0 N Seite 55 können, einen Teil der führenden Chawerim des Lehrgutes aus Kreisen zu nehmen, die ihrer Gesinnung nach durchaus nicht unseren Standpunkt teilen. Handelte es sich doch nur darum, eine Ausbildungsstätte für religiöse Chaluzim zu schaffen. Dafür, daß das Milieu nicht gestört wurde, genügte, daß sich die Chawerim loyal verhielten und sich menschlich einordneten. Einordnung in eine Bewegung, — diese Aufgabe bestand nicht einmal als Zielsetzung. Aber nun läßt sich verfolgen, wie langsam aber stetig, auf Grund einer inneren natürlichen Dynamik die Basis sich erweitert. Nicht nur insofern, als der Menschenkreis sich erweitert, sondern auch indem die gestellte Aufgabe eine größere wird. Während im Anfang nur mit Mühe die winzige Zahl der Eleven — fünf bis sechs — sich zu sammenfand und man fast ohne Auswahl aufnahm, wuchs sehr bald die Zahl der Bewerbungen so sehr, daß man die Anforderungen nicht mehr befriedigen konnte. Das Werk beginnt sich einen Menschenkreis zu scharfen. Das ist vielleicht das Erstaunlichste an dieser Entwicklung, daß dieses unscheinbare Beginnes geradezu eine eigene Vitalität entfaltet — die man nicht nur auf das Konto der Menschen setzen kann! — und ein Faktor in der jüdischen Arbeit in Deutschland wird. Betzenrod, und noch mehr Rodges, wurde ein Begriff, der in der gesamten religiösen jüdischen Jugendbewegung die Frage der Chaluziut ins Rollen brachte. Es i>t notwendig, sich die damalige Situation vor Augsn zu führen: Weder im Zeire-Misrachi, wie er damals war, noch im Esra bestand eine solche Frage. Nur wenige der „Besatzung" des Lehrgutes kamen aus der Jugendbewegung und die Wenigen durchaus auf Grund eines persönlichen Antriebes und nicht Kraft dessen, daß sie aus der Jugendbewegung kamen. Und dann steigern sich die beiden Momente gegenseitig. Die Frage der Chaluziut kommt unter der religiösen Jugend nicht mehr zur Ruhe, die Existenz des Lehrgutes läßt das nicht zu. Und auf dem Lehrgut konnte zum ersten Male im Herbst 1927 der Gedanke einer Fortsetzung der Arbeit in Erez Jisrael ausgesprochen werden. Das Moment der Bewegung wird in der Arbeit mitbestimmend. Hiermit war im Keime all das vorhanden, was den weiteren Verlauf der Dinge bestimmte, wenn auch noch lange Zeit vergehen sollte, bis dieses Suchen und Wollen eine Verwirklichung fand. Das Auf und Ab der chaluzischen Bewegung überhaupt in diesen Jahren, die geringe Verbindung mit Erez Jisrael und die Schwere der Aufgabe, die man sich gestellt hatte, mußten eine schnelle Entwicklung verhindern. Gab es doch damals 1927 bis 1929 so gut wie keine Alija. Die Chawerim, die dann im Herbst 1929 zur Alija kamen, waren drei bis vier Jahre und länger in Hachschara! — Die Verbindung zu den wenigen, die früher nach Erez Jisrael gegangen waren, war schwer und vor allem ging von diesen kaum ein Einfluß aus, waren sie sich doch selbst nicht über ihren Weg im klaren. Und immer wieder wirkte die doppelte Aufgabe sich dahin aus, daß man hohe Anforderungen m die Menschen zu stellen suchte und dadurch den Rahmen der Bewegung verengerte. Aber schließlich wird doch in diesem Jahre der Grund zu einer Bewegung gelöst, in deren Mittelpunkt das Lehrgut steht. i Diese Tatsache bleibt charakteristisch und bestimmend im guten wie im schlechten Sinne. Das Lehrgut war immer ein sicheres Zentrum für die Bewegung gerade dadurch, daß es zum mindestens materiell wesentlich nicht durch die Bewegung bedingt war. Die praktischen Notwendigkeiten, die zu seiner Gründung geführt hatten, werden stets zu seiner Stützung und Sicherung herangezogen, und es war immer ein viel weiterer Kreis von Menschen, der das Lehrgut trug. Aber gerade dies bewirkte eine Verwischung der klaren Richtung und wurde zum Hemmnis für die Bewegung, solange sie hier ihr Zentrum hatte. Die äußeren Ereignisse sind es schließlich, die eine Aenderung herbeiführen, die den engen Rahmen der Bewegung sprengen und dem Lehrgut einen anderen Platz in ihr anweisen. Das Lehrgut hat seine Aufgabe erfüllt als „Ort der Bewegung", es steht in einer Reihe mit anderen nicht weniger wichtigen „Orten der Bewegung". Es kommt damit in Gefahr, im gewissen Sinne wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzukehren und seine Bedeutung damit einzubüßen. Aber gleichzeitig erstehen in diesem Moment neue Möglichkeiten gerade für diesen Ort, die das Lehrgut eine andere aber nicht geringere Bedeutung für die Gesamtarbeit gewinnen lassen. Nicht mehr im Zentrum der Arbeit, kann es Beispiel gebend werden für die anderen Hachscharazentren und können von dort aus entscheidende Impulse für die Vertiefung der Arbeit ausgehen. Der Weg, der mit dem Führerseminar im letzten Winter begonnen wurde, scheint uns der Weg zu sein, der in der richtigen Richtung weiterfu iren kann und der dem Lehrgut weiter die „innere Berechtigung" geben wird, die seinen Weg, so wie wir ihn aufzuzeigen versucht haben, ermös -licht hat.

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