Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 6 (1934)
- Issue
- 6 (6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 54 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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eite 54 Z I O N um verantwortlich an der schnellen Entwicklung dieses letzten Jahres mitarbeiten zu können. Man kann sagen, daß mit dieser Alija sich der Schwerpunkt unserer Bewegung von Deutschland nach Erez Jisrael verlagert hat. Die eigene Wirtschaft des Kibbuz, die bisher nur im ganz kleinen Unifange bestand, und der Beschäftigung der Chawerim in Zeiten der Arbeitslosigkeit diente, wurde ausgebaut. Große Baumschulen wurden angelegt, die Pflanzungen des Pardeß begonnen, die Geflügelzucht auf 1000 Hühner vergrößert, ein großer Gemüsegarten wird angelegt. Nach und nach wird das Lager des Kibbuz auf den endgültigen Siedlungspunkt überführt. An Stelle von einigen zertsreuten Baracken und Zelten entsteht ein ansehnlicher systematisch angelegter Siedlungspunkt mit dem großen Gemeinschaftsraum in der Mitte, eine lange Straße von Zelten, Wohii- und Wirtschaftsbaracken darum herum. Als erstes Steingebäude erhebt sich der Kuhstall. Schreinerei, Schlosserei und sogar eine kleine Fanrik zur Herstellung von Stahlmöbeln werden eingerichtet. In der Moschawa selbst wird eine Arbeiterküche, die sich im ganzen Lande großer Beliebtheit erfreut, eröffnet. Und jetzt beginnt man schon mit dem Bau der ersten Steinwohnhäuser! Im Laufe des vergangenen Jahres hat der Kibbuz die Anzahl seiner Menschen verdreifacht und ist zum stärksten und wichtigsten Punkt des Hapoel Hamisrachi im Lande geworden. Gerade in diesem Jahre hat er durch die Aufnahme der plötzlichen und zum Teil überstürzten Alija aus Deutschland und deren Einordnung im Lande, eine wichtige Funktion erfüllt. Der Kibbuz Rodges hat auch eine größere Gruppe der Jugendalija aus Deutschland aufgenommen und ihr die Möglichkeit der Eingliederung in produktive Berufe und in die Bedingungen des Landes im Kreise der religiösen Arbeiterschaft gegeben. Die Voraussetzung für diese ganze Arbeit und dieses ganze Gelingen war die seit Jahren betriebene systematische Hachschara, die berufliche und geistige Vorbildung der Menschen. Das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung und der Aufbau der eigenen Wirtschaft hat die Anspanung aller Kräfte in Anspruch genommen und so wird es wohl in absehbarer Zeit bleiben. Trotzdem muß gerade in einem religiösen Kibbuz die geistige Betätigung der Chawerim, das „Lernen" nud die Beschäftigung mit allen den Jischuw bewegende Fragen, ein wesentliches Moment der Gesamtarbeit bleiben. In gemeinsamen Scheurim und Aussprachen in kleinen Zirkeln findet man sich abends nacli der Arbeit im großen Eßraum oder in einem Zelt zusamen und beschäftigt sich mit Tanach, Mischna, Gemara, mit den Fragen des Landes und der Arbeiterschaft, so unsere jüdische Kultur und unser religiöses Wollen mit der Arbeit des Aufbaus verbindend, in dem Wunsch, unser tägliches Leben durch sie gestalten zu lassen. Der Schabbat des Arbeiters, der die Mizwa „sechs Tage sollst Du arbeiten" mit religiöser Hingabe erfüllt, ist nicht nur der „Schabbat Menucha", sondern auch der „Schabbat Bereschit", der Schabbat der Schöpfung, der Quell der seelischen und geistigen Erneuerung. Nicht Ideologien und Theorien, nicht Schulen und Vorträge entscheiden über die Gestaltung der Wirklichkeit in Erez Jisrael. Das gelebte Leben, das für all seine Fragen und Probleme in der Praxis eine Lösung erfordert, gestaltet die Synthese von Tora Wa'Awoda Die Bilanz. Von Mosche Unna Rückblick auf die 10 Jahre „Jüdisches Lehrgut" bedeutet für uns mehr als ein bloßes Resumc über etwas Vergangenes. Wir müsen uns die Bilanz vorlegen, über das, was getan worden ist. Wir müssen einen »san pacn machen, weil ja dieses Werk nicht etwas in sich Abgeschlossenes darstellt. Seine Bedeutung liegt vornehmlich darin, daß es Ausgangspunkt und lange Zeit Zentrum unserer gesamten Arbeit gewesen ist. Unsere Arbeit: heute können wir sagen der Arbeit des Brit Chaluzim Datiim und des Kibbuz Rodges. Und in dem wir dies sagen, uns daran erinnern, daß die Anfänge des Lehrgutes in eine Zeit fallen, in der noch keines von beiden war. In der nur bei Einzelnen und gewissen Kreisen innerhalb des deutschen Misrachi eine Beziehung zur religiösen Chaluziut bestand und auschließlich diese — nicht etwa die Parole Tora wa Awoda — den Anstoß zum Beginnen gab. Wahrlich eine schmale Basis! Und rückblickend ist man geneigt, aus dem Ablauf der Bilder herauszulesen, daß wohl eine innere Notwendigkeit von diesem Ausgangspunkt zu der umfassenderen Idee geführt hat und daß dies erst die Möglichkeit gegeben hat, zu beginnen und vorwärts zu schreiten. Wie schmal die Basis war, zeigt uns vielleicht am deutlichsten die Tatsache, daß man am Anfang gezwungen war, um überhaupt anfangen zu