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Zion · 1931-12-01 · 12 (12.1931) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
3 (1931)
Issue
12 (12.1931)
Date
1931-12-01
Page
Seite 111 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Z I 0 N Seite 111 Zionismus entschlossen in Einheit mit der großen jüdischen Gedankenwelt der UÜberlieferung bringen und verwirklichen wollten und aus dieser Erwägung die Notwendigkeit erkannten, in der zionistischen Organisation eine nationalreligiöse Partei zu gründen, werden wir den geistigen Zusammenhang und die ideologische V erbundenheit mit den Vätern und Denkern unserer Bewegung und damit mit dem. was seit einigen Jahrzehnten sich legitim Misrachi nennt, umso weniger preisgeben, als uns das organisatorische Band in der Gegenwart unhaltbar erscheint. Wir haben uns nicht vom Welimisrachi enücrni, wu! wir den Boden der Ueberzeugungen verlassen haben, die Misraehisten zusammenschlössen. Es gibt genug Persönlichkeiten in unserer Mitte, vor denen Verdächtigungen in dieser Richtung verstummen miisslen. Ist also eine neue Ideologie weder njtu endig noch zulässig, so ziemt unserer Gruppe wohl eine i d e o 1 o g i s c he B e s i n n u n g. Auch dieses th; orelische Gebiet unserer Arbeit i-t in den le;z'en Jahren recht vcrnachl is>igt worden, nicht zuletzt \on denen, die die Eiihrerschafl in den Händen hallen. So soll uns denn in dieser Stunde des Beginns der ernste Wille ■ beseelen, wie in der praktischen Arbeil, so auch im Bereich unserer denkeiischen Bemühungen rege schabend und unermüdlich, aber auch anspruchsvoll und intellektuell redlich zu sein. Kein System, sondern nur einige bescheidene Bemerkungen sollen im folgenden geboten werden. G r u n d s ä l z 1 i c h e s hat im Ideologi-chen den Vorrang vor dem Aktuellen. Es darf aber durch Betonung des Prinzipiellen nicht Erkenntnis '•;nd Erfassen des Vo: beieilenden versperrt werden. Wie in allem Politischen, so ist auch hier oft das Zulüllige Ansalzpunkt grober Entscheidungen. Dieses Hebels muß man sich 'bedienen können, um politisch zu schallen und geschEhtieh zu wirken. Sonst bleibt man lediglich Gcschichlsphilosoph. Ebenlalls gehört zu jeder Grundlegung politischer Lehre die Einsicht, dalj es einen Piimat der T a t und Leistung vor dem W o r t und der Theorie gibt. Die Ideologie weist sich selbst einen bescheidenen Platz an und erkennt ihre Rolle als Anregerin zur Aktivität. Das bedeutet besonders viel lür einen Kreis, den die Welt der Religion von der Welt des Handelns ablenken kann. LTnd wenn auch die jüdische Lehre am wenigsten zu dieser weltfremden Haltung neigt, so sind das Bekenntnis zur Nation und die daraus erwachsenden Pflichten aller Art eine starke Sicherung gegen Weltflucht, liier ist einer der Ansatzpunkte unserer Aueinandersetzung mit der nicht zionistischen Orthodoxie —■ aber auch jeder n u r -religiös orientierten Judenheil — gegeben. Näher kommen wir den zentralen Gesichtspunkten, wenn wir unseren Blick auf die Gesamtheil des geschichtlichen Verlaufs der jüdischen Nation richten und uns fragen, in welchem Verhältnis die Epoche der nationalen Renaissance zu der Tota- Hläl: unsere)- Historie, zum Schicksal unseres Volkes steht. Hier darf die misrachistische Ideologie besonderen Anspruch auf Gehör erheben. Wenn sie ihre Aufgabe richtig erfaßt, kann sie sogar repräsentativ für den Zionismus werden. LTnd ich glaube, wir sollten solche Aspirationen haben, von unserem Standort aus, dem Fundament: das Volk von Thorah umizwolh. eine zionistische Lehre zu geben. Hier darf —- vorläufig nur und unvollständig — vielleicht folgendes gesagt werden. Die zionistische Theorie, und ganz gewiß auch die vom Misrachi errichtete, ist keine neue Lehre vom Messianismus, sie setzt sieh und ihr Werk nicht an die Stelle des Messias und seiner Erlösung. Wohl aber wird das Verhältnis unserer Geschichte zum Messianismus durch den Zionismus eigenartig modifiziert. Der Zionismus teilt unsere Geschichte neuartig ein. indem er selbst sich charakteristisch einschaltet. Er orientiert: sich nach Vergangenheit und Zukunft hin, berücksichtigt den GesamtablauL aber auch nahe und ferne Epochen. Die historischen Prozesse, die zu der konkreten Situation unserer jungen Vergangenheit 'hinleiteten, haben erneut mit allen praktischen Konsequenzen: Aufbau Erez-Israels. Be'ebung 'der hebräischen Sprache. Erneuerung der (iesellschafi. Umschichtung der beruflichen Gliederung, vor allem auch gesehiehisphiiosophi-che Probleme erweckt und sie durch große Näh« zu den. Vorgängen des nationalen Lebens viel dringlicher gemacht. Der Zionismus hat theoreti ch immer besiehende Spannungen, die aber wenig quälend waren, empfind.ich werden lassen. Zerstreuung und Sammlung — vertraute Begriffe, fast nur noch der Theologie zugerechnet —, bekommen erneut Aktualiiätsbedeutung und sind nicht lediglich dem lief religiös fühlenden Menschen als Qual und Sehnsucht deutlich, sondern beunruhigen \iele Juden aller Art. Hier spricht politische Einsicht für jetzt und künftig der Sammlung, der Heimkehr und heimatlichen Verwurzelung die Notwendigkeil zu und läßt Exil als Stufe der Vergangenheit zurück — in vieler Hinsicht bedeutsam, jetzt aber in der Rückbildung begriffen und nur noch in sehr sekundärem Maße, eingeschränkt und nachgeordnet, zulässig — ja drängt durch diese Aulfassung und die aus ihr fließenden politischen Akte die Zerstreuung in den geschichtlichen Hintergrund. Eine andere Spannung, die zwischen U n i - v e r s u I i s m u s und N a t i o n a 1 i s m u s (beide in ihrer Ausschließlichkeit genommen), kann gerade die national-religiöse Auffassung vom Judentum mildern. Eine Vertiefung des Zionismus nach der. jüdischer. Lehre im Sinne der Tradition und Religionsphilosophie hin wird den Chauvinismus ausschalten. Es wird somit der Universalismus als Ziel angestrebt, vom Judentum her zu erreichen, nicht aber als Wunschbild vorschnell in die Wirklichkeit hineingezerrt. Die Vernichtung von Judentum und Judenheit wäre der Preis, und dabei wäre es durchaus ungewiß, ob die Realisierung jener Endstufe gesichert wäre. Die geschichtliche Erfahrung spricht dafür, daß der Universalismus nicht durch Preisgabe nationaler (echter) Werte zu gewinnen ist. Vage und uferlose Lehren können Völkern und Staaten nicht wegweisend sein. Hier wird die Wiedergewinnung der Heimat und die auf ihrem Boden erwachsenden nationalen, sozialen und moralischen Werke und Weite entscheidend für die befriedigende Lösung des hier erwähnten Antagonismus. Unsere Ideologie hat natürlich vor allem die Beziehungen des Volksdasein-;, der Erneuerung, der Auferstehung auf heimatlichem Boden zu dem in der jüdischen Tradition zesammengefessten Komplex aufzuweisen und hier Entscheidendes zu sagen. Diese große Aufgabe ist in ihrer Lösung — min-

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