Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 10-11 (10.1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 141 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10/11 Z 1 O N Seit** 141 Palästina-Tagebuch. Auf dem jüdischen Schiff. Zwar hat nur das Schwestcrschiif unserer „Carnaro'\ auf der wir nach Erez-Israel zurückkehren, einen jüdischen Kapitän mit einer Seferthora in seinem Salon, aber auch wir sind auf einem jüdischen Schiff. Nicht nur am Sabbath, wo man es für zwei italienische Lire dem Kapitän abgekauft hat, damit es ein jüdisches Haus sei, in dem man tragen kann, sondern auch an jedem anderen Tage. Morgens und gegen Abend ist Minian: der Koschertisch ist gut besucht und nicht schlecht bestellt: die Juden drücken allem ihren Stempel auf. Es sind zahlenmäßig wohl kaum mehr als vor 4 Monaten, als der gleiche Dampfer uns in umgekehrter Richtung: nach Europa trug, aber die Stimmung ist diesmal eine viel konzentrierter jüdische, palästinensischere, auch traditionellere. Das Ziel bestimmt den Weg: wie damals Europa, so wirkt nun Palästina voraus. Als wir uns dem Lande nähern und alle, Neulinge und Rückkehrer ergriffen sind, sagt einer: .,Wir sind die letzten Söhne eines romantischen Geschlechts." Und vielleicht darum die ersten Väter eines, im schönsten Sinne, realistischen. Hoffen wir es! Die Sorge um die Jugend. Immer wieder, auf dem Schiff und auf dem Lande selbst, wird man Zeuge der rührigen "Organisations- und Erziehungsarbeit, die die palästinensische Arbeiterschaft und ihre europäischen Vorbeveitungsbünde für die Jugend leisten. So ist es z. B. erstaunlich, in welcher Weise das lebendige Hebräisch von den neuen Chaluzim. insbesondere denen des ,.Haschomer Hazair'% beherrscht wird. Die alte Klage, daß die traditionellen Kreise dem nichts Gleichwertiges an die Seite zu setzen haben, mag für die Diasporaländer einen Teil ihrer Berechtigung verloren haben: für Palästina gilt sie noch in voller Schärfe. Ein bedenkliches Symptom dafür knüpft sich an Mitteilungen, die wir im Anschluß an Benno OÜenburgs Artikel „Bnei Akiba in Tel-Aviv" erhalten haben. Aus ihnen und aus unseren eigenen Nachforschungen ergibt sich, daß der von unserem Freunde geschilderte Tatbestand seitdem überholt ist. Infolge des Widerstandes der misrachistischen Schul- und Parteikreisc, denen wohl vor allem die halbpolitische Verbindung der Bnei Akiba mit dem Hapoel Hamisrachi mißfiel, mußte die Gruppe aufgelöst werden und ging in die neu begründete religiöse Pfadfinderbewegung „Adath Hazofim" ein. Auch diese hat zwar noch nicht die offizielle Anerkennung der Schulaufsichtsbehörden des Misrachi gefunden und steht deswegen noch in Verhandlung, da sie aber vor allem von jüngeren Lehrern der Tachkemoni-Schule. z. B. den Herren Israel F r c. u n d und A w i S c h a u 1 geleitet wird, mögen ihre Chancen besser sein. Die innere und äußere Entwicklung der Gruppe scheint eine sehr gute zu sein: sie zählt heute 120 Mitglieder. Die Mädchenarbeit, die anfangs im Argen gelegen hatte, nahm einen glänzenden Aufschwung. Nach außen hin wird die innere Blüte durch die Tatsache gekennzeichnet, daß der allgemeine Zophimverband an die1 D'Blxn mj! herantrat, um eine Vereinigung vorzunehmen. Sie sollte dabei als autonome religiöse Gruppe innerhalb der allgemeinen Zophimbewegung gelten. Die Führer des Zophimverbandes waren sogar bereit, Forderungen betr. Vermeidung von rot? 'Si'-n zu bewilligen. Da auf Seiten der n'onn mj? wenig Neigung für ein Verschmelzen voihanden war. blieb es nur bei der Aufforderung der allgemeinen Zophim. Bedauerlich bleibt nur, daß durch dieses System jugendbewegter Sektiererei einerseits und behördlicher Gängelung andererseits, der Zusammenhang zwischen der Bewegung in Tel-Aviv und der in Jerusalem vollkommen verloren gegangen ist. Andererseits bemühen sich die Jerusalemer. denen der Kibbuz Rodges zeitweise unseren David Intriligator ausgeborgt hat. um Verbreiterung ihrer Basis auch an anderen Orten: der besonders unermüdliche Chawer E Masch hat vor wenigen Tagen eine Propaganda- und Organisutionsreise nach H a i i a und dem E m e k gemacht, die zu zahlreichen Anfangserfolgen führte. Nach seinem Bericht, der übrigens auch Erschreckendes und Betrübendes über die Ve r n a c h 1 ä s s i g u n g der orthodoxen Kolonisten, insbesondere der Chassidim, durch die zionistischen Fonds enthält, das unbedingt nachgeprüft werden müßte, ist die Jugend schon beinahe überall, zum Teil vorn achten Lebensjahre an. vom ..Noar Haowed'% der linken Arbeiterjugendbewegung, erfaßt, wobei die misrachistischen und sonst religiösem Schulen und Kolonien durchaus keine Ausnahme machen. Immerhin würde für eine von innen her religiöse, nicht parteipolitisch enge, soziallinke Jugendorganisation, wie sie den „Bnei Akiba" vorschwebt, nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch der Platz vorhanden sein. Diese Notwendigkeit kann auch aus ganz anderen Zeugnissen deutlich werden. In einer der letzten Nummern des „Dawar"' wird in erzählender Form, aber offenbar auf Grund tatsächlicher Unterlagen, berichtet, wie der ,,Noar Haowed" einen Teil der Jugend jvon Safed zum Eintritt in die große Kwuzath „Ein* Charod'' bewogen hat. „Kampf gegen die Eltern", „Vollkommene Trennung von