Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1869
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Kenntniß des Pentateuch im Urtext vollständig angeeignet, und eine freie Uebersetzung der „Theilung der Erde" von Schiller erwies damals bereits seine Gewandtheit im hebräischen Styl, in dem er es später in seiner Correspondenz mit dem Vater bis zu dessen Tode zu einer gewissen Vollendung brachte. Je weniger in dem Orte selbst Gelegenheit zum außerirdischen Unterrichte vorhanden war, desto eifriger wurde die jüdische Schulbildung erstrebt, und als der Knabe das dreizehnte Jahr erreicht hatte, war ihm die gesummte heilige Schrift in der Ursprache — bis auf das Buch .Daniel, dem er keinen Geschmack abgewinnen konnte — geläufig, und der Thalmud hatte durch jahrelange Pflege seinem Geist eine Schärfe und Klarheit verliehen, die weit über sein Alter hinausreichten. Um diese Zeit starb die Mutter des jungen Lasker, die mit zartem Sinn das Gemüth des Knaben groß zog und zu edlen Empfindungen befähigte. Die nun veränderten Verhältnisse im Vaterhause einerseits und der strebende Sinn des Knaben andererseits waren Veranlassung, daß der Letztere im Alter von dreizehn Jahren nach Breslan gebracht wurde, wo er zu vierzehn Jahren nach geschehener Vorbereitung durch Privatunterricht in die Quarta des Gymnasiums eintrat. Seinem schnellen Geiste jedoch war der Schritt zu langsam, welchen ihm die Lehrmethode der Anstalt verzeichnete; er verließ daher ein Jahr später das Gymnasium und bestand zu Ostern 1847 im Alter von siebenzehn und ein halb Jahren als Extraneus die Abiturienten-Prüfung. In diesen arbeitsvollen Lehrjahren, die ihn rasch aus einem kaum mit den ersten Elementen verdeutschen Schulbildung bekannten Knaben zu einem für die Universttätsstudien berufenen Jüngling heranreifen ließen, war ihm wenig Zeit übrig geblieben, seine frühere wissenschaftliche Beschäftigung fortzusetzen; die Stimmen der jüdischen Wissenschaft, die an seiner Wiege ertönten, die Gedanken des Thalmud, die feinen Geist in die früheste Zucht genommen hatten, waren verklungen, seitdem in Breslau die allgemeine Cultur ihm die ersten Grüße