Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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55 Joch, dem sie sich kaum unterworfen, wieder ab und waren auf dem Wege, Aethiopien selbst mit Krieg zu überziehen. Da zog Moses mit einem zahlreichen Heere ihnen entgegen, schlug sie zurück, verfolgte seinen Sieg bis gen Mesopotamien hin und machte jene Völker aufs Neue tributpflichtig. So herrschte Moses vierzig Jahre in Aethiopien. Recht und Gerechtigkeit waren die Stützen seines Thrones. Das ganze Land liebte und verehrte ihn. Doch gab es noch Anhänger des vorigen Regentenstammes, welche dahin trachteten, den längst herangewachsenen Sohn des Königs Kikannos auf den Thron zu bringen. Dieser Parthei gelang es endlich sogar das Ohr der Königin, Moses' Gemahlin, zu gewinnen. Eines Tages, als Moses an der Seite seiner königlichen Gemahlin auf dem Throne saß und alle Großen des Reichs um sie versammelt waren, begann die Königin folgende Ansprache: „Männer Aethiopiens! Vierzig Jahre sind es heute, daß ihr diesen meinen Gemahl zum Herrscher über euch erwähltet. Wohl erkenne ich die Verdienste an, die er sich um das Land erworben hat. Wisset aber, eben so wenig als er mich je berührt, eben so wenig hat er dem Gotte, den die Aethiopier anbeten, je gedient und zu unserm Glauben sich bekannt. Ich erachte es daher für geziemender, dem rechtmäßigen Nachfolger eures vorigen Königs, meinem Sohne Mena-Cham (od. Minakros) die Krone aufs Haupt zu setzen, als von einem ftemden Manne, einem Unterthans des ägyptischen Königs, euch länger beherrschen zu lassen. Schweigend vernahmen die Großen Aethiopiens diese Worte aus der Königin Munde. So sehr auch jene dem angestammten Herrschergeschlechte anhingen, so war doch die Verehrung, die sie Moses zollten, zu groß, um ohne Weiteres in seine Thronentsetzung zu willigen. Eine Volksversammlung ward berufen, hier wurden alle für die Erhebung des rechtmäßigen Nachfolgers sprechenden Gründe erwogen und am folgenden Morgen endlich der Beschluß gefaßt, Moses zu bitten, daß er zu Gunsten des Königssohnes dem Throne entsage. Moses ging auf dieses Verlangen ein und so