Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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53 Zukunftsstätte suchend, die er auch hier bereitwillig fand. Seine hohe und edle Gestalt, seine majestätische Haltung und die löwengkeiche Kraft erregte die Bewunderung des Königs und seiner Heerführer. Kikannos ward ihm sehr gewogen, ernannte ihn bald zu seinem Rathe und zum Befehlshaber einer Kriegsschaar. Die Belagerung zog sich jedoch in die Länge, Kikannos erkrankte und starb nach siebentägigem Krankenlager. Jetzt ward den Heerführern bange, sie verzweifelten schon, die Stadt je einnehmen zu können, da bereits neun Jahre die Belagerung gewährt hatte. Was sollen wir thun, fragte einer den andern, die Stadt erstürmen? Wer weiß, ob wir da nicht alle umkommen. Die Belagerung fortsetzen? Da werden die morgenländischen Volksstämme den Tod unsers Königs wahrnehmend, plötzlich über uns herfallen und uns aufreiben. Lasset uns sogleich einen neuen König wählen, der entscheide über unsere Zukunft. Noch an demselben Tage ward die Wahl vollzogen. Niemanden im ganzen Heere fand man würdiger, den Thron zu besteigen, als Moses.- Alle warfen ihre Gewänder ab, bildeten daraus eine thronartige Erhöhung, Moses ward darauf gesetzt' und unter Posaunenklang zum König ausgerufen. Das ganze Heer huldigte ihm, die Wittwe des verstorbenen Königs Kikannos ward zu seiner Gattin erkoren. Die kostbarsten Geschenke an Silber und Gold und Edelsteinm wurden ihm dargebracht, die er aber in die königliche .Schatzkammer niederlegte. Dieß geschah 157 Jahre nach Jakobs und seiner Söhne Einwanderung in Aegypten, da Moses 27 Jahre zählte. Am siebenten Tage nach feiner Huldigung kamen die Führer und Abgeordneten des Heeres vor Moses, um sich seinen Rath zu erbitten, wie die Stadt endlich zu überwältigen sei. Moses begann hierauf wie folgt: „Neun Jahre sind verflossen, seitdem ihr diese Stadt umzüngelt.* Setzet ihr die Belagerung in der Weise ferner fort, wie zeither, so wird sie nimmer fallen. Befolget ihr aber genau das, was ich euch anordnen werde, so gelangt die Stadt bald in unsere Hände." Wohlan, sprich, o König! riefen einmüthig die Führer, was du gebeutst, es geschehe sogleich.