Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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47 glaubte, du habest das Gemach nicht verlassen!" Der seine Genossen an Grausamkeit weit übertreffende Vogt in des Hebräers grimmigen Blicken wohl lesend, daß der an seinem Weibe begangene Frevel ihm nicht unbekannt geblieben, hielt an jenem Tage Sülomiths Gatten nicht nur mit unnachsichtlicher Strenge Zur Arbeit an, sondern überhäufte ihn auch noch mit.Schlägen in der Absicht ihn zu todten. Da erschien Moses — achtzehn Jahre damals zählend — an der Hebräer Arbeitsstätte. Des Vogts grausames Verfahren gegen den hebräischen Mann wahrnehmend, stand es sogleich klar vor seinem prophetischen Auge, daß solchem Gebühren eine andere ruchlose That in des Hebräers Hause vorangegangen sei. Als der gemißhandelte Hebräer Moses erblickte, desses hohes Ansehen im Lande bekannt war, eilte er zu ihm hin und wehklagte über das, was der Vogt jetzt mit ihm vorhabe, verschwieg auch den Frevel nicht, den jener in nächtlichem Dunkek in seinem Hause verübt. Voll Ingrimms rief Moses dem Aegypter Zu: „Was beginnst du, Elender, mit diesem Manne? Nicht genug, daß sein Weib du geschändet nun willst du ihn auch noch todten?" Doch nicht hörte der Wüthrich auf diese ernste Mahnung, er Zog den Hebräer mit Gewalt zu sich hin und versetzte ihm noch heftigere Schläge als zuvor, so daß dieser den Geist fast aufgab. > Moses das Antlitz Zum Himmel gewendet brach jetzt in folgende Worte aus: „Allbarmherziger! Wo bleibt deine Verheißung an Abraham? Den Sternen gleich sollten seine Nachkommen werden, und nun lässest du, o Gott, sie schlagen und todten?" Vergeblich schaute Moses sich um, ob irgend jemand hervortrete und von edlem Eifer für Recht und Gerechtigkeit beseelt, jene schreiende Gewaltthat des Aegypters zu rächen sich beeilen werde. Da vermochte Moses nicht seinen Zorn niederzuhalten. Schnell erfaßte er eine Schaufel voll Lehm und war im Begriffe sie nach dem Haupte des Aeghpters zu schleudern und dessen Gehirn damit zu zerschmettern. Doch er Zauderte und besann sich. „Was will ich thun?" sprach er zu sich selbst, „diesen Aegypter todt schlagen? Einem Menschen das Leben nehmen, das ich ihm nicht wieder zu geben im Stande bin.