Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1862
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Bemerkend, wie Greise, Schwächlinge, sogar Frauen unter drückender Last dahin keuchten, entnahm er ihnen einen Theil ihrer Bürde und beschwerte damit kräftigere Arme. — So schien es, als wenn Moses selbst Pharao's Zwecke zu unterstützen und nur die Arbeiten bester zu fördern beabsichtige. Hierdurch gewann er an Einfluß bei den bestellten Arrssehern und vermochte manche Härte zu mildern. An die Hebräer aber richtete Moses folgende Worte: 'Liebe Brüder! Ertraget standhaft euer jetztiges Loos, lasset den Muth nicht sinken und den Geist nicht zugleich mit dem Körper ermatten! Bessere Zeiten werden kommen, wo Trübsal in Freuden sich. wandelt. Auf Gewölk folgt bald heiterer Himmel, auf Sturm Windsülle, Alles in der Welt strebt seinem Gegensatze zu. Noch unbeständiger aber sind der Menschen Geschicke auf Erden!" Hatte Moses durch solche Ansprache das niedergebeugte Gemüth seiner Brüder zwar einigermaßen aufzurichten gesucht, so blieb doch in seinem Innern ein tiefer Stachel zurück, es ward ihm schwer, seinen verhaltenen Grimm über jenes grausame Verfahren zu bemeistern. Bileam als den Urheber der unsäglichen Leiden seiner Brüder ansehend, sann Moses in der Stille darüber nach, wie jenem tückevollen Rathgeber Pharao's beizukommen sei. Doch mochte Bileam dies bald entdeckt haben, den einflußreichen Adoptivenkel des Königs fürchtend, verließ er daher nebst seinen beiden Söhnen Janis und Jambris den ägyptischen Hof und ging nach dem Aethiopierlande. Der noch jugendliche Moses stieg inzwischen immer höher in der Gunst seines königlichen Großvaters, so daß dieser ihn unter Andern mit dem wichtigen Amte betraute, angesehene Fremde beim König einzuführen. Moses hatte stets das Ziel vor Augen, daß der auf den Hebräern lastende schwere Druck thunlichst erleichtert werde. Er zögerte daher nicht, die ihm gewordene königliche Huld nach Kräften zum Besten seiner Brüder zu benutzen und den König nach und nach zu einem mildem Verfahren zu besümmen. So trat er eines Tages vor Pharao hin, also beginnend: „O Herr, eine kleine Bitte