Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1860
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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16 ich nach der Seite hinwies, wo nach' 'meiner Ansicht das Zimmer des Unbekannten sich befand. Das Haus gehört nicht mir, antwortete die Wirthin. — Ich habe ihn bloß in Miethe und Kost, — der Mann, nach dem ihr fraget, ist Soldat. Wie so ist er bei euch, in Quartier? Nein, er hat es in eigener Miethe. Wohnt er schon lange bei euch? Seit feiner Herkunft, etwa zwei Monate. Man hat ihrer eine ganze Schaar Hergetrieben, wie es heißt. Wer ist er denn, woher? Das kann ich nicht wissen; wie es scheint, sehr weit her. Ist noch Jemand bei ihm? Ich habe Niemand bemerkt. Kann man nicht zu ihm hineingehen? Wie euch beliebt. Ich bat sie, mir den Eingang zu zeigen und trat sogleich in das Zimmer. Auf dem Tisch brannte ein Licht; die Fensterläden von außen waren zu; der Miethsmann hatte eben seinen Soldatenmantel abgeworfen und ging in seinem alten Schlasrock mit raschen Schritten im Zimmer auf und ab. Als er mich erblickte, stand er mit zweifelnder Miene still, beschauete mich von oben bis unten, und rief mit starker, zitternder Stimme auf russisch: Was wollen Sie? Ich hatte eine kalte Begegnung vorhergesehen, aber da ich entschlossen war, mit diesem alten Soldaten näher bekannt zu werden, legte ich meinen Hut in's Fenster, und setzte mich ohne Umstände auf einen Stuhl. Der Unbekannte schien sich über meine Unbefangenheit zu wundern; er blieb mitten im Zimmer stehen und wendete das Auge nicht von mir. Ich wünsche zu euch, antwortete ich in unsrer.jüdischdeutschen Mundart.