Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 181)
- Language
- German
- Belongs to
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167 lieben Wald, der da anfängt, wo das Städtchen ein Ende hat. Ei, das gab ein lustiges Spektakel. Erst schimpften wir gemeinsam auf die Schule, dann spielten wir Soldaten und dann „Ritter und Räuber“, dann prügelten wir uns, und dann trieben wir andere wichtige Dinge. — Und dort im Schatten der Buchen und Fichten schwanden die Stunden im Laufschritt davon. Wir merktens gar nicht, als die Sonne längst ihre brennenden Stacheln eingezogen hatte und als es im Walde allmählich dunkel wurde. Bis einer der Knaben Hunger bekam und sagte, dass er nach Hause müsse; denn seine Mama war streng, und er fürchtete sich vor dem Rohrstock. Und ein anderer rief: „Ich geh mit, ich geh mit. Wisst ihr, bei uns gibt’s heute Erdbeeren in Milch, und wenn ich nicht da bin, so isst meine Schwester alles allein auf.“ Und die übrigen schlossen sich den beiden an, und mit lautem Hallo liefen alle auf die Chaussee und heimwärts — alles ausser mir. Ich war unbemerkt zurückgeblieben; denn ich wusste ein Geheimnis. Während des Spiels hatte ich in dem Geäst eines Baumes ein Nest entdeckt. Das wollte ich nun plündern. Ich zog meine Jacke aus, spuckte mir in die Hände und begann zu klettern, immer höher und höher; und endlich war ich oben und guckte der entsetzten Familie ins saubere Stübchen. Zwei Vögel flatterten mit grossem Geschrei heraus und hüpften zwitschernd hin und her, von einem Ast zum andern. Und da sah ich drei gelbe Küchlein, die machten die Schnäbelchen auf, als hätten sie eine Bitte an mich. . . . Ich packte die kleine Gesellschaft, legte sie in meine Mütze und sprang eilig hinab. Heidi! ging’s im Galopp durch den Wald. Die beiden alten Vögel folgten mir und umkreisten mich mit ihrem Gestöhne. Da hörte ich, wie eins von den Kleinen in meiner Mütze betete: „0 Gott, du lieber Gott, hab Erbarmen mit uns und bring uns in unser Nest zurück.“ Und das Elternpaar