Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921-1921)
- Issue
- 6. Jahrgang 5682 = 1921/22 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 89)
- Language
- German
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85 licher und naturgemäss dadurch schwächer, denn wahre Kraft ist nur in der Kraft des Höheren, des Göttlichen. Eine Verheissung ist der Gesamtheit Israels zuteil geworden, dass sie nie völliger Unreinheit anheimfallen werde. Auch auf Israel kann die Unreinheit ihre Wirkung ausüben und ihm Schaden zufügen, aber nimmermehr die Gesamtheit des Volkes von dem göttlichen Lebensquell völlig loslösen. Der Nationalgeist ist jetzt im Erwachen und viele seiner Anhänger ignorieren den Gottesgeist. Sollte man einem solchen Nationalgeist entsprechende Grundlagen geben können, so würde dies das Volk schliesslich der völligen Unreinheit und der Vernichtung entgegentreiben. Aber sie missverstehen ihre eigenen Bestrebungen. So gewaltig stark ist der Geist Israels mit dem Gottesgeist verknüpft, dass in jedem, der nur den Geist Israels erstrebt, im Tiefinnersten seiner Bestrebung, selbst gegen seinen Willen, der Gottesgeist ruht. s Wohl kann das Individuum sich vom Urquell des Lebens loslösen, nimmer jedoch das Volk Israels in seiner Gesamtheit. Auf allen nationalen Werken, als da sind: Land, Sprache, Geschichte, Gebräuche, die vom Standpunkte des Nationalen uns lieb und teuer sind, ruht daher Gottesgeist. Und sollte dennoch zu irgend einer Zeit eine solche Geistesbewegung rege werden, welche alle nationalen Güter im Namen des Volksgeistes verkündet und sich bemüht, allen diesen Werten den Gottesgeist abzustreiten und den Gottesgeist aus dem Volksgeist völlig auszuschalten, was sollen die Frommen des Geschlechts dann tun?! Gegen den jüdischen Nationalgeist, wenn auch nur mit Worten, angehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn eine unzertrennbare Einheit bilden der Geist